VISTAs tiefer Blick

Die blaue Lagune

Derzeit durchkämmen Astronomen mit dem Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) den Zentralbereich der Milchstraße nach veränderlichen Objekten und kartieren die Struktur dieser Himmelsregion genauer als je zuvor.
Im Rahmen einer auf fünf Jahre angelegten Studie hat das VISTA-Teleskop am Paranal-Observatorium der ESO in Chile ein faszinierendes Infrarot-Bild des Lagunennebels aufgenommen. Es zeigt einen kleinen Teil der Himmelsregion rund um den Nebel, der wiederum nur ein Teil einer großen Himmelsdurchmusterung ist.

Im Rahmen einer auf fünf Jahre angelegten Studie hat das VISTA-Teleskop am Paranal-Observatorium der ESO in Chile ein faszinierendes Infrarot-Bild des Lagunennebels aufgenommen. Es zeigt einen kleinen Teil der Himmelsregion rund um den Nebel, der wiederum nur ein Teil einer großen Himmelsdurchmusterung ist.

Diese große Himmelsdurchmusterung trägt den Namen „VISTA Variables in the Via Lactea“ (abgekürzt VVV) [1]. Die hier gezeigte Infrarotaufnahme entstand im Rahmen dieser Studie. Sie zeigt Lagunennebel Messier 8, eine bekannte Sternkinderstube, die sich in einer Entfernung von ungefähr 4000–5000 Lichtjahren im Sternbild Schütze befindet.

Infrarotaufnahmen ermöglichen es Astronomen, hinter den Schleier aus dunklem Staub zu schauen, der im sichtbaren Licht den Blick auf dahinter liegende Himmelsobjekte versperrt. Das sichtbare Licht wird dabei von Staubteilchen gestreut, deren Größe in etwa der Wellenlänge des Lichts entspricht. Das langwelligere Infrarotlicht dagegen kann kosmische Staubwolken nahezu ungehindert passieren.

Das VISTA-Teleskop, mit einem Hauptspiegeldurchmesser von 4,1 Metern das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, wurde gebaut, um große Himmelsbereiche im nahen Infrarot schnell und gründlich zu untersuchen und ist daher hervorragend dafür geeignet, um die Entstehung von Sternen zu beobachten, die sich typischer Weise in ausgedehnten Gas- und Staubwolken abspielt – so genannten Molekülwolken, die durch ihre eigene Schwerkraft in sich zusammenfallen. Der Lagunennebel ist eine solche Sternentstehungsregion. In seinem Inneren befinden sich eine größere Anzahl kompakterer Gebiete aus Gas und Staub, die sich weiter zusammenziehen, so genannte Bok-Globulen [2]. Diese dunklen Wolken sind so dicht, dass sie sogar im Infraroten das Licht dahinter liegender Sterne verschlucken. Der Nebel erhielt seinen Namen von einem dunklen, lagunenförmigen Streifen aus Staub, der sich durch die leuchtenden Gaswolken windet.

Heiße, junge Sterne, die intensives ultraviolettes Licht abstrahlen, lassen den Nebel hell aufleuchten. Der Lagunennebel ist aber auch die Heimat von Sternen, die gerade erst entstehen. In seinem Inneren hat man Sterne entdeckt, die so jung sind, dass sie noch in so genannte Akkretionsscheiben eingebettet sind, aus denen Material auf die neu geborenen Sterne fällt. Solche Sterne bilden manchmal so genannte Jets aus, eng gebündelte Ausflüsse von Materie entlang der Polachse des Sterns. Trifft das ausgestoßene Material auf das umgebende Gas, dann bilden sich kurzlebige, hell aufleuchtende Streifen, die Herbig–Haro-Objekte heißen [3] und mit deren Hilfe sich die neu geborenen Sterne leicht auffinden lassen. Innerhalb der letzten fünf Jahre wurden im Lagunennebel mehrere solcher Herbig-Haro-Objekte gefunden. Dort entstehen demnach weiterhin jede Menge Sterne.

Notizen

[1] Das Programm VISTA Variables-in the-Via Lactea (VVV, wörtlich etwa “Suche nach Veränderlichen in der Milchstraße”) ist eine von sechs Himmelsdurchmusterungen, die derzeit mit dem VISTA-Teleskop durchgeführt werden. Im Rahmen von VVV wird der Zentralbereich der Milchstraße über einen Zeitraum von fünf Jahren mehrfach beobachtet. Dabei werden voraussichtlich große Mengen an bisher unbekannten veränderlichen Objekten entdeckt werden.

[2] Bart Bok war ein niederländisch-amerikanischer Astronom, der den Großteil seiner langen Karriere in den USA und Australien verbrachte. Er bemerkte als erster die nach ihm benannten dunklen Gebiete in Sternentstehungsregionen und mutmaßte, dass sie mit den frühesten Stadien der Sternentstehung zusammenhängen. Die darin verborgenen, gerade geborenen Sterne konnten erst Jahrzehnte später mithilfe von Infrarotaufnahmen direkt beobachtet werden.

[3] Die beiden Astronomen George Herbig und Guillermo Haro waren zwar nicht die Entdecker der nach ihnen benannten Herbig-Haro-Objekte, haben aber als erste die Spektren dieser seltsamen Erscheinungen untersucht. So konnten sie feststellen, dass es sich dabei nicht nur um Ansammlungen von Gas und Staub handelt, die Licht reflektieren, sondern um eine völlig neue Klasse von Objekten, die in Zusammenhang mit der Entstehung von Sternen stehen.

Quelle: ESO
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