Die aktuelle Buchbesprechung

Helden des Himmels

Geschichten vom Kosmos und seinen Entdeckern" erzählt der freie Journalist Christian Pinter in seinem Buch "Helden des Himmels". Dabei handelt es sich um teilweise überarbeitete Beiträge für die Wiener Zeitung.
"Helden des Himmels" von Christian Pinter, erschienen im Verlag Kremayr & Scheriau (2009).

"Helden des Himmels" von Christian Pinter, erschienen im Verlag Kremayr & Scheriau (2009).

Helden des Himmels, das sind zunächst die Götter und Halbgötter der Antike. Durch ihre Abenteuer und Leiden verdienen sie sich einen festen Platz am Himmel in Form von Sternbildern wie Perseus, Orion oder Andromeda. Der Mensch schaut zu den Sternen und zu den Göttern zugleich. Die Gruppierungen der Sterne beinhaltet für den nächtlichen Beobachter gleichzeitig Mythen zur Erklärung der Welt.

Seit Humanismus und Renaissance dienen diese Göttergeschichten nur noch als unterhaltsame Gedächtnisstütze, um sich am Himmel zu Recht zu finden. Der Mensch selbst wird nun zum Helden des Himmels: Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe, Galileo Galilei, Johannes Kepler, um mal die berühmtesten zu nennen, über die Christian Pinter in seinem Buch berichtet. Die Geschwister Wilhelm und Karoline Herschel sind möglicherweise die letzten Vertreter dieses Typus von Helden.
Mit der zunehmenden Industrialisierung wird die Gesellschaft technisiert und die Arbeitsteilung forciert. So ist zwar Joseph Fraunhofer in der Astronomiegeschichte für die Entdeckung der Absorptionslinien im Sonnenspektrum bekannt, doch nutzte er diese Linien vor allem technisch, nämlich zum Vermessen des Brechungsverhaltens seiner Gläser.

Der wesentliche Beitrag Fraunhofers zur Astronomie bestand im Bau leistungsfähiger Refraktoren. Mit einem davon hat Johann Gottfried Galle den Planeten Neptun entdeckte. Die Entdeckung gelang, weil der Theoretiker Urbain Le Verrier seine Position vorherberechnete. Die Helden des Himmels nutzen also nun ingenieurstechnisch entwickelte Geräte, um Ideen der Physiker zu prüfen. Der letzte Held von diesem Schlag ist vielleicht Edwin Powell Hubble, mit dem das Buch "Helden des Himmels" folgerichtig auch endet.
Heute ist die Forschung so aufwendig und komplex, dass sie in großen, meist internationalen Institutionen organisiert wird: Die Erforschung des Himmels betreiben nun wenig "heldenhafte" Einrichtungen wie ESA, ESO oder NASA.

Von diesen modernen Einrichtungen handelt Christian Pinters Buch nicht. Sein Thema ist nicht Astronomiegeschichte, sondern Geschichten von Astronomen. Es geht ihm auch nicht um enzyklopädische Vollständigkeit, viel lieber stellt er überraschende Aspekte heraus. So begegnet dem Leser der Astronom Johannes Kepler ausgerechnet als Sciencefiction-Autor und über Nikolaus Kopernikus lesen wir aus der Sicht seines einzigen Schülers Joachim Rheticus.

Das Buch von Christian Pinter ist aber auch nicht bloß anekdotisch - in ihrer Gesamtheit bieten die einzelnen kurzen Texte aus "Helden des Himmels" durchaus einen Überblick über den Wandel des astronomischen Weltbildes. Leider - und das ist ein Schwachpunkt - enthält das Buch keine einzige Abbildung.
Und wo sind die Heldinnen? Auch das ist ein Kritikpunkt. An Karoline Herschel kommt man natürlich nicht vorbei, doch, wie Christian Pinter selber schreibt, stand sie zeitlebens im Schatten ihres Bruders und ihres Neffen. so hängen an dem Buch nach der Geschichte über Edwin Hubble noch drei kleine Kapitel über Sonnen- und Mondfinsternisse an. Schöner wäre es gewesen, beispielsweise noch von Vera Rubin zu berichten, der wir maßgebliche Beobachtungen zur Dunklen Materie verdanken. Schließlich stehen den Helden des Himmels längst Heldinnen zur Seite und das ist ja auch eine schöne Entwicklung.

Bibliographische Angaben:
Christian Pinter
Helden des Himmels
Geschichten vom Kosmos und seinen Entdeckern.
222 Seiten, gebunden
2009, Verlag: Kremayr & Scheriau
ISBN 978-3-218-00794-8
Preis: 22,90 €


Stefan Taube / Lichtecho

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