Kometensonde Rosetta

Ein neuer Diamant im Collier

Am 5. September war es so weit: Die Kometensonde Rosetta, die im Jahr 2014 den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko erforschen soll, hatte ihr erstes Rendezvous mit einem kleinen Himmelskörper. Kameras klickten zum Showdown, und auf der Erde übten sich plangemäß die Wissenschaftler im Däumchen drehen. Nun feiert die ESA ihr „neues Juwel im Sonnensystem“.
Asteroid Stein, wie ihn Rosetta beim Vorbeiflug sah

Asteroid Stein, wie ihn Rosetta beim Vorbeiflug sah

Zwischenstopp auf dem Weg zum Kometen

Alt, verkratert aber solide

Er ist diamantförmig, hellgrau mit einer ungewöhnlich stark reflektierenden Oberfläche, alt, verkratert und im Inneren vermutlich einigermaßen solide: Das sind die ersten Informationen, die die Esa bereits über den Asteroiden (2867) Steins verkünden kann. Am Freitagabend, 5. September, war die Sonde Rosetta als erstes Raumschiff der Europäischen Weltraumbehörde ESA an einem Asteroiden vorbeigeflogen und hatte diesen aus nur 800 Kilometern Entfernung untersucht. Nun ist der kleine Felsbrocken von rund fünf Kilometern Durchmesser im Begriff, der am besten charakterisierte Asteroid am Firmament zu werden.

Während im All die Kameras klickten und Rosetta sich mit Maximalgeschwindigkeit drehte, um Steins keine Sekunde ihres kurzen Vorbeiflugs aus den Augen ihrer Instrumente zu lassen, hieß es für die Wissenschaftler allerdings: warten. Denn pünktlich zum Showdown hatte Rosetta plangemäß den Funkkontakt abgebrochen, und erst als alles gelaufen war, meldete sie sich wieder. Am Morgen nach dem Vorbeiflug präsentierten die Missionswissenschaftler im Darmstädter Kontrollzentrum ESOC die ersten Ergebnisse. Insbesondere die Fotos der Osiris- und Navigationskameras sorgten für Aufregung – hatte man Steins doch bisher nur als winzigen Punkt aus vielen hunderttausend Kilometern Entfernung betrachten können. Vollständig werden die Daten jedoch erst in Wochen und Monaten ausgewertet sein.

Erst acht Planetoiden wurden jemals von Sonden aus fotografiert. Dieser nun ist ein seltener E-Asteroid, und seine an einen Diamanten erinnernde Form veranlasste den leitenden Wissenschaftler der Osiris-Kamera, Horst Uwe Keller, ihn zum „neuen Juwel im Sonnensystem“ zu erklären.

Rosetta-Flugdirektor Paolo Ferri ist stolz auf die doppelte Premiere. „Zum ersten Mal hat die ESA einen Asteroiden aus der Nähe untersucht. Und erstmalig haben wir uns ganz auf optische Navigation verlassen. Nur aufgrund von Fotos haben wir eine sehr präzise Flugbahn kalkulieren können – die Daten werden wahrscheinlich ergeben, dass diese bis auf zwei Kilometer genau war.“ Dabei lagen beim Vorbeiflug noch 800 Kilometer zwischen Sonde und Planetoid. Das war nötig, damit die mit 31000 Kilometern pro Stunde vorbeirasende Rosetta einige Momente Gelegenheit hatte, ihre Instrumente arbeiten zu lassen. Zudem wollten die Flugingenieure Rosetta nicht den kleinen Steinen und Staubpartikeln aussetzen, die in der unmittelbaren Umgebung des Asteroiden zu erwarten wären.

Steins ist noch nicht Rosettas Zielobjekt: Ursprünglich ist die Sonde unterwegs zum Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Der kleine Asteroid diente als Generalprobe für den großen Augenblick mit „Chury“, der für das Jahr 2014 vorgesehen ist. Vorher wird Rosetta zudem noch einen weiteren Asteroiden anfliegen, die mit einem Durchmesser von einhundert Kilometern wesentlich größere Lutetia.

Carolin Konermann ist Technikjournalistin in Köln
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