Sternentstehung vor 11 Milliarden Jahren

Explosion im jungen Kosmos

Am 7. Juni 2008 traf ein Schauer hochenergetischer Gammastrahlen auf die Erde - Zeugnis einer Sternexplosion in einer fernen Galaxie. Im Nachleuchten der Explosion spürte ein internationales Forscherteam die Spuren von molekularem Wasserstoff und Kohlendioxid auf. Die Strahlung des Ausbruchs habe offenbar eine dichte Gas- und Staubwolke durchquert, berichten die Wissenschaftler auf einer Fachtagung der American Astronomical Society in Long Beach, Kalifornien.
Explosion durchleuchtet Sternentstehungsregion

Explosion durchleuchtet Sternentstehungsregion

"Der Ausbruch gab uns damit die Gelegenheit, erstmals eine Sternentstehungs- region in einer jungen, elf Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie zu untersuchen", erläutert Xavier Prochaska von der University of California, einer der beteiligten Astronomen. "Wir erhalten damit einen Einblick in eine Umgebung, in der drei Milliarden Jahre nach dem Urknall Sterne entstanden sind." Denn da das Licht von der fernen Galaxie elf Milliarden Jahre bis zur Erde unterwegs war, sehen die Himmelsforscher die Galaxie auch so, wie sie vor elf Milliarden Jahren ausgesehen hat.


Die Detektoren des amerikanischen Satelliten Swift hatten den Gammaausbruch als erste registriert und automatisch Sternwarten in aller Welt alarmiert. Bereits 15 Minuten später richteten Astronomen eines der beiden zehn Meter großen Keck-Teleskope auf Hawaii auf den Explosionsort, um das Licht des Nachleuchtens der Explosion aufzufangen. In der Strahlung zeigten sich zahllose dunkle Linien, Spuren der Absorption in einer dichten Gas- und Staubwolke. Die Wolke ist so dicht, dass sie nur ein Prozent der Strahlung durchließ.


Neben Wasserstoff und Kohlendioxid konnten die Forscher viele weitere Elemente anhand der Absorptionslinien identifizieren. Doch viele der Linien konnten bislang keinen bekannten Stoffen zugeordnet werden. "Es ist das faszinierendste Spektrum, mit dem ich je gearbeitet habe", so Prochaska. "Etwa die Hälfte der Linien sind immer noch ein Mysterium für uns. Möglicherweise hat noch nie jemand diese Linien gesehen, weder im Laborexperiment, noch in den Spektren von Sternen und Galaxien."

Dr. Rainer Kayser ist Wissenschaftsjournalist aus Hamburg

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