Planetenforschung

Jupiter verliert ein Band

Jupiter bietet für Teleskopbeobachter zur Zeit einen ungewöhnlichen Anblick: Das südliche seiner beiden äquatorialen Wolkenbänder ist verschwunden! Statt der üblichen, markanten rot-braunen Färbung zeigt sich die südliche Äquatorregion bereits seit einigen Wochen in einem strahlenden Weiß. Was diese Veränderung ausgelöst hat und wie lange dieser Zustand andauern wird, ist unbekannt.
Diese beiden Aufnahmen gelangen dem australischen Astrofotografen Anthony Wesley am 4. August 2009 und am 8. Mai 2010. Deutlich zu erkennen ist das „verschwundene“ südliche Äquatorialband in der späteren Aufnahme.

Diese beiden Aufnahmen gelangen dem australischen Astrofotografen Anthony Wesley am 4. August 2009 und am 8. Mai 2010. Deutlich zu erkennen ist das „verschwundene“ südliche Äquatorialband in der späteren Aufnahme.

Der größte Planet unseres Sonnensystems besitzt keine feste Oberfläche, vom Weltraum aus sind statt dessen die obersten Atmosphärenschichten zu sehen. Normalerweise sind die beiden dunklen Äquatorialbänder das markanteste Detail in Jupiters Wolkenhülle. Seit einigen Wochen ist nur noch das nördliche Band zu sehen, nicht aber sein südliches Pendant. Inmitten des südlichen Äquatorbands befindet sich auch der berühmte Große Rote Fleck – ein gigantischer Wirbelsturm, der dort schon seit mehr als 300 Jahren tobt. Der Fleck ist noch sichtbar – er hebt sich besonders deutlich gegen den weißen Hintergrund ab.
Wissenschaftler vermuten, dass sich das Wolkenband nicht aufgelöst hat, sondern unter einer höheren, hellen Wolkenschicht verborgen liegt. Möglicherweise haben sich über dem dunklen Äquatorband weiße Ammoniakeiswolken gebildet, die uns den Blick auf tiefer liegende Bereiche verwehren. Was die Bildung solcher Eiswolken ausgelöst haben könnte ist aber völlig offen. Ebenso wie die Frage, woher die dunkelbraune Färbung der Bänder eigentlich stammt, warum der rote Fleck rot ist oder warum nur eines der beiden Bänder verschwindet.

In der Vergangenheit ist es immer wieder zu ähnlichen Phänomenen in der Jupiteratmosphäre gekommen: Zuletzt schwächte sich das südliche Äquatorialband im Jahr 2007 ab, 1993 verschwand es das letzte Mal, ähnlich wie 2010. Aus der Historie kann man zumindest absehen, dass es mehrere Monate, vielleicht sogar bis zu zwei Jahre dauern könnte, bis das Band wieder auftaucht.
Der kommende Beobachtungszeitraum um die Jupiteropposition vom 21. September 2010 dürfte also spannend werden. Denn immer dann, wenn das Band wieder erschien, konnte man eine interessante Dynamik in den Wolken des Gasriesen verfolgen. Nach der „Ruhephase“ bildeten Sturmflecken und Wirbelstürme, ähnlich dem Großen Roten Fleck, das Band allmählich neu. Für eine Zeitlang können daher bald sehr interessante Atmosphärenphänomene in der Jupiteratmosphäre auftauchen. Und immerhin geschähe dies erstmalig in der „Webcam-Ära“, mit tausenden Amateurastronomen auf der ganzen Welt, die den Planeten mit ungeheurer Detailfülle ablichten werden!

Im Laufe des Sommers verfrühen sich die Jupiteraufgänge zusehends, noch allerdings muss man sich bis zur Morgendämmerung gedulden, um einen Blick auf den einbandigen Planeten werfen zu können. Seine diesjährige Oppositionsstellung erreicht Jupiter übrigens nahe seinem Perihel. Damit erreicht Jupiter fast seinen größtmöglichen scheinbaren Durchmesser, was seine Beobachtung im Teleskop erleichtert. Mit seiner Stellung im Sternbild Fische klettert er zudem wieder auf ausreichende Horizonthöhen für eine ungestörte Beobachtung. Ab September wird Jupiter eine sehr auffällige Erscheinung am Himmel: Er erreicht dann eine scheinbare Helligkeit von immerhin -3mag.


Jan Hattenbach
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