Lisa Randall über CERN

Das Universum, das eine Nasenlänge vor uns liegt

Lisa Randall, die zurzeit weltweit führende theoretische Physikerin und Expertin für Teilchenphysik und Kosmologie, erhofft sich vom Large Hadron Collider (LHC) des CERN, der am 21. Oktober 2008 bei Genf (Schweiz) offiziell seinen Betrieb aufnimmt, den Nachweis von Extradimensionen.
Bald nimmt das LHC ganz offiziell seine Arbeit auf

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Inhalt des Artikels

Das Universum, das eine Nasenlänge vor uns liegt

"Die Welt ist nicht so, wie wir sie sehen"

Jedes Bakterium, jede Amöbe und jedes Pantoffeltierchen, das im Mikrokosmos beheimatet ist, kann mit Fug und Recht behaupten, einen Teil der realen Welt zu erleben. So wenig wir deren Kosmos auf Mikrobenniveau wahrnehmen können, so wenig haben just diese Kleinstlebewesen von den Kosmen über oder unten ihnen Kenntnis, und genauso wenig haben wir die leiseste Ahnung von den Universen und Dimensionen neben uns. „Ich denke, dass wir diesen Aspekt oft vergessen. Wir denken, dass die Welt so ist, wie wir sie sehen“, sagt Lisa Randall, die an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts/USA) lehrt und forscht.

Verschlossene höhere Dimensionen

Was Randall abseits vom Diesseits so brennend interessiert, sind Extradimensionen, sprich Dimensionen, die neben den uns drei bekannten räumlichen (Höhe, Länge, Breite) in einem höherdimensionalen Raum eingebettet sind. Denn nur ein paar Zentimeter weiter könnte ein anderes Universum existieren, das uns unsichtbar umgibt. Unter, über oder neben uns könnte sich eine andere Welt zu winzigen Schleifen aufgerollt haben – vielleicht nur eine Nasenlänge voraus, aber dennoch unerreichbar fern und absolut unzugänglich. „Diese unsichtbaren Dimensionen könnten flach und gerade sein, wie die, die wir kennen, oder gewellt wie Reflexionen in einem Spiegelkabinett. Sie könnten sehr klein sein, viel winziger noch als ein Atom, oder auch unbegrenzt groß und trotzdem schwer aufzuspüren sein.“ Um sich ein Bild davon zu machen, wie diese aus unserem 3D-Blickwinkel strukturiert sein könnten, greift Randall auf einen imaginären Strohhalm zurück. Aus der Ferne sähen wir den Strohhalm als eindimensionale Linie, aus der Nähe jedoch als zweidimensionale Fläche, die einen Zylindermantel bildet. Bei noch näherer Betrachtung offenbarte er dann seine wahre Natur und gäbe sich als dreidimensionale kleine Röhre mit einer Wand zu erkennen.
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