Kosmologie

Kosmischer Unfall in 5,7 Millionen Lichtjahren Entfernung

Im Jahr 2006 entdeckten Astronomen einen ähnlichen Unfall im Universum. Da das heiße Gas (rosa) in der rechten Bildhälfte an eine Gewehrkugel erinnert, taufte man den Galaxienhaufen "Bullet-Cluster", was soviel heisst wie Geschosshaufen

Im Jahr 2006 entdeckten Astronomen einen ähnlichen Unfall im Universum. Da das heiße Gas (rosa) in der rechten Bildhälfte an eine Gewehrkugel erinnert, taufte man den Galaxienhaufen "Bullet-Cluster", was soviel heisst wie Geschosshaufen

Passiert ist dieser kosmische Unfall im rund 5,7 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen MACSJ0025.4-1222 im Sternbild Walfisch. Mit Hilfe von Bildern des Weltraumteleskops Hubble im sichtbaren Licht konnten Astronomen um Maruša Bradač von der University of California in Santa Barbara zunächst die Masseverteilung – also von beiden Materieformen – am Tatort feststellen. Möglich macht das der so genannte Gravitationslinseneffekt: Licht von entfernten Galaxien wird durch die Anziehungskraft eines davor liegenden Objekts gebeugt. Je massereicher ist es, desto stärker wird das Licht dabei abgelenkt.

Neben den optischen Daten kamen auch Röntgenaufnahmen des Satelliten Chandra zum Einsatz. Da Galaxienhaufen die gewöhnliche Materie hauptsächlich in Form von heißem Gas enthalten, das genau in diesem Spektralbereich strahlt, konnten die Wissenschaftler es relativ einfach auf den Bildern identifizieren: Es hatte sich um die Kollisionsstelle angesammelt. Während sich die beiden Haufen mit Geschwindigkeiten von Millionen Kilometern pro Stunde durchdrangen, wurde das Gasgemisch vermutlich durch Zugkräfte abgebremst. Der Hauptanteil der Masse war indes nahezu ungehindert weitergerauscht.

Genau dieses Verhalten erwarten Physiker von Dunkler Materie, da sie ausschließlich über die Gravitationskraft mit anderen Teilchen – ob aus gewöhnlicher oder ebenfalls Dunkler Materie – in Wechselwirkung tritt. Mit ihrem Fund bestätigen die Astronomen zudem einen im Jahr 2006 beobachteten Zusammenstoß mit ähnlichem Ausgang. Die räumliche Trennung von leuchtender und unsichtbarer Materie deutet in beiden Fällen auf die Existenz zweier grundlegend verschiedener Materietypen hin und ist ihrer Ansicht nach ein starker Beleg für die Existenz von Dunkler Materie. Ihre Ergebnisse veröffentlichen Bradač und ihre Kollegen im Astrophysical Journal.

Maike Pollmann ist Astrophysikerin und Wissenschaftsjournalistin in Heidelberg
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