Planetenforschung

Komet spielt Mond

Derzeit tagt in Potsdam die internationale Community der Planetenforscher auf der Europlanet 2009. Dort wurde heute ein Forschungsergebnis vorgestellt, das Kometen als zeitweise Jupitermonde entlarvt.
Ein aktuelles Hubble-Bild des Gasriesen Jupiter: Auf der Südhalbkugel ist noch die hässliche Narbe zu sehen, die von der Kollision mit einem Kometen übrig blieb.

Ein aktuelles Hubble-Bild des Gasriesen Jupiter: Auf der Südhalbkugel ist noch die hässliche Narbe zu sehen, die von der Kollision mit einem Kometen übrig blieb.

Dass Jupiter interplanetare Körper anzieht und es zuweilen sogar zum Crash kommt, konnte erst kürzlich wieder beobachtet werden. Das Bild oben zeigt die hässliche Narbe auf der Südhalbkugel, die von der Kollision übrig blieg, die als erster der Amateuerastronom Anthony Wesley beobachtete. Dem großen Gravitationstopf Jupiter können Körper aber auch entweichen, Astronomen nennen dieses Phänomen temporary satellite capture (TSC). Fünf solcher Kurzzeitmonde sind bekannt, dazu gehört nun auch 147P/Kushida-Muramatsu. Er diente dem König der Planeten von 1949 an als Trabant, konnte sich aber 1961 aus der Gefangenschaft befreien.

Um gerade diesen Kometen als Kurzzeitmond zu entlarven, benutzte das internationale Forscherteam unter der Leitung von Dr. Katsuhito Ohtsuka einen Trick. Sie berechneten die Bahnen von 18 Kometen, die sich temporär in der Nähe der so genannten Hilda-Gruppe von Asteroiden befanden. Die Hilda-Gruppe steht für einen Bereich im Asteroidengürtel, dessen Umlaufperiode in einem ganzzahligen Verhältnis zu Jupiter steht (2:3). Diese Resonanz bewirkt, dass Jupiter diesen Bereich mit seiner Gravitationsanziehung leer räumt. Kommen nun die Quasi-Hilda-Kometen auf ihrem Flug durchs Sonnensystem in den Bereich der Hilda-Asteroiden, sind sie Kandidaten für das TSC-Phänomen.

Die meisten dieser Kometen fliegen an Jupiter einfach vorbei, ohne eingefangen zu werden. Aus den aktuellen Bahndaten von 147P/Kushida-Muramatsu schließen die Forscher, dass es in diesem Fall aber zu zwei vollen Jupiterorbits des Kometen gekommen ist.

Das Forscherteam konnte sogar einen zukünftigen Jupitermond vorhersagen: Der Komet 111P/Helin-Roman-Crockett hat zwischen 1967 und 1985 dreimal Jupiter umkreist. Nach Berechnungen des Teams werden es in den Jahren 2068 und 2086 sechs weitere Umläufe sein. Ob Helin-Roman-Crockett Jupiter wieder verlässt oder als Mond gefangen bleibt, sollen unsere Urenkel rausfinden.

Quelle: Europlanet 2009, Lichtecho-Blog
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