Umweltsatellit geht fremd

DLR-Planetenforscher erfreut über Interdisziplinarität

Der 2002 gestartete europäische Umweltsatellit ENVISAT, auf dem SCIAMACHY (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric CHartographY) als eines der Hauptinstrumente im Einsatz ist.

Der 2002 gestartete europäische Umweltsatellit ENVISAT, auf dem SCIAMACHY (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric CHartographY) als eines der Hauptinstrumente im Einsatz ist.

Mit den Beobachtungen an der heißen, lebensfeindlichen Venus, die von einer dichten Kohlendioxidatmosphäre umgeben ist, können in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft hervorragende Vergleichsdaten für die Analyse der Atmosphären von Exoplaneten gewonnen werden. "Als Planetenforscher sind wir natürlich über diese zusätzlichen Messungen, die von einer Mission stammen, die eigentlich der Erdbeobachtung gewidmet ist, hoch erfreut", erklärt Prof. Tilman Spohn, Direktor des DLR-Instituts für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. Er fügt hinzu: "Es ist ausgezeichnet, dass diese Daten vom Sciamachy-Team wieder aufgegriffen wurden, sie sind uns eine Hilfe bei der Einschätzung der Daten, die unsere Experimente auf den Planetenmissionen liefern."

"Wir sind sehr beeindruckt von den Beobachtungen", freut sich auch Prof. Heike Rauer vom DLR-Institut für Planetenforschung, Projektleiterin für die DLR-Beteiligung bei der Suche nach Exoplaneten mit Corot. Sie ergänzt: "Die neuen Ergebnisse illustrieren ausgezeichnet, welche Signaturen der Atmosphäre man erwarten würde, sollten wir einen Venus-ähnlichen Exoplaneten entdecken." Mit zukünftigen Satelliten kann dann bei solchen Planeten nach Anzeichen für eine Biosphäre, dem Lebensraum von Organismen, gesucht werden. Bei der Suche nach so genannten "Biomarkern", also Bestandteilen in der Atmosphäre und auf der Oberfläche von Planeten, die durch den Stoffwechsel von Lebewesen entstehen, arbeiten die Wissenschaftler des DLR-Instituts für Methodik der Fernerkundung in Oberpfaffenhofen mit Forschern des DLR-Instituts für Planetenforschung in Berlin-Adlershof seit längerem zusammen.

Des weiteren ist beabsichtigt, die Sciamachy-Messungen im Rahmen der Helmholtz-Allianz "Planetenentwicklung und Leben" zu verwenden. In einem internationalen Forschungsverbund widmet man sich hier unter anderem der Frage, welche Bedingungen auf einem Planeten herrschen müssen, damit sich Leben entwickeln kann. Hier bieten die Daten einen realistischen Hintergrund zur Modellierung des Strahlungstransports in Atmosphären erdähnlicher Planeten.

Weitere Messungen von Spektren zu verschiedenen Venusphasen werden mit Sciamachy geplant. Darüber hinaus laufen Studien, wie die anderen hellen Planeten unseres Sonnensystems Mars, Jupiter und Saturn ebenfalls als extraterrestrische Untersuchungsobjekte genutzt werden können.
Bilder zum Artikel
» Artikel drucken