Leben aus dem All

Den Geheimnissen des Lebens auf der Spur

Kurz vor Weihnachten wurden während eines Weltraumspaziergangs am 23. Dezember 2008, einer so genannten Extra Vehicular Activity (EVA), eine Reihe von astrobiologischen und radiologischen Experimenten an einer Außenplattform der Internationalen Raumstation ISS montiert.
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NASA-Astronaut Rex Walheim beim ersten Außenbordeinsatz der Columbus-Mission am 11. Februar 2008. Zusammen mit seinem Kollegen, montierte Walheim das Europäische Forschungslabor Columbus an der Internationalen Raumstation ISS.

NASA-Astronaut Rex Walheim beim ersten Außenbordeinsatz der Columbus-Mission am 11. Februar 2008. Zusammen mit seinem Kollegen, montierte Walheim das Europäische Forschungslabor Columbus an der Internationalen Raumstation ISS.

Experimente zur Entstehung des Lebens

Montage auf einer Außenplattform der Internationalen Raumstation ISS

Proben von insgesamt acht Experimenten, darunter ausgesuchte organisch-chemische Verbindungen, Bakterien, Flechten und Pflanzensamen, werden dort für rund ein Jahr den harten und lebensfeindlichen Weltraumbedingungen ausgesetzt - insbesondere dem Vakuum, den Temperaturschwankungen und einer Strahlungsumgebung (ultraviolette und ionisierende Strahlung), wie sie auf der Erde in dieser Zusammensetzung nicht vorkommt.

Die nach der Mission gewonnenen Ergebnisse sollen dazu beitragen, mehr über die Entstehung, die Evolution und die Ausbreitung von Leben zu verstehen. Mehr als 1200 Proben und ein Messgerät wurden dafür im Juli und im August 2008 am DLR-Standort Köln in die so genannte Experimentieranlage EXPOSE-R montiert, die am 26. November 2008 mit einer russischen Progress-Rakete zur ISS gebracht wurde. Bereits im Februar dieses Jahres montierten die Astronauten Rex Walheim und Stanley Love eine ähnliche Experimenteinheit EXPOSE-E an die Außenwand des Europäischen Forschungslabors Columbus und schlugen so ein neues Kapitel für DLR-Wissenschaftler auf der Suche nach der Entstehung des Lebens auf.
Das vollständig mit Proben bestückte Experiment EXPOSE-R, kurz vor dem Transport nach Moskau.
Die nach der Mission gewonnenen Ergebnisse können dazu beitragen, mehr über die Entstehung, die Evolution und die Ausbreitung von Leben zu verstehen.

Das vollständig mit Proben bestückte Experiment EXPOSE-R, kurz vor dem Transport nach Moskau. Die nach der Mission gewonnenen Ergebnisse können dazu beitragen, mehr über die Entstehung, die Evolution und die Ausbreitung von Leben zu verstehen.

Brachten Asteroiden und Kometen die Bausteine des Lebens auf die Erde?

Wie EXPOSE-R hat auch das Experiment "Spores" das Überleben von Organismen im Weltraum zum Thema. Die Wissenschaftler untersuchen die Frage, ob Leben in Form von Mikroorganismen durch Meteoriten von einem Himmelskörper zum anderen gelangt sein könnte und nicht zwingend auf der Erde entstanden ist. Hierzu werden Sporen von Bakterien und drei verschiedenen Farnarten mit Meteoritenmaterial gemischt oder überdeckt und dann den extremen Weltraumbedingungen ausgesetzt. Anschließend bestimmen die Biologen die Überlebensrate der Sporen. Zusätzlich messen die in der Experimentieranlage EXPOSE-R eingebunden Geräte für Radioaktivität (Dosimeter) die Strahlung, denen die Experimente ausgesetzt sind und liefern wertvolle Daten für zukünftige Missionen.

Das Experiment "Spores" steht unter Federführung der Abteilung Strahlenbiologie im DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, das dabei mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen) und der Technischen Universität München (TU München) kooperiert. Es ist eines der sechs astrobiologischen Experimente auf der Internationalen Raumstation des "ROSE-Consortiums" (Response of Organisms to Space Environment), das vom DLR koordiniert wird.
Parallel zur Mission im Weltraum werden gleiche Proben in einer fast identischen Einheit EXPOSE-R am Boden den simulierten Weltraumbedingungen (Vakuum, Temperatur und Ultraviolette-Strahlung) ausgesetzt, wie sie von EXPOSE-R auf der ISS gemessen und zur Erde übermittelt werden. Dies geschieht in den Planetary and Space Simulations Facilities (PSI) des DLR in Köln.

Die Strahlenmessgeräte sowie alle chemischen und biologischen Proben werden nach ihrem Aufenthalt im Weltall voraussichtlich im Mai 2010 zur Erde zurückgebracht, auf die Labors der jeweiligen wissenschaftlichen Gruppen verteilt und dort analysiert.

Die gesamte Flugvorbereitung und die Integration der Proben wurden durch das DLR-Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC, Microgravity User Support Center) durchgeführt. Sobald EXPOSE-R während des für den am 23. Dezember 2008 geplanten Außenbordeinsatzes auf seiner endgültigen Position außerhalb der ISS angebracht und eingeschaltet ist, wird das DLR die Mission auch operationell unterstützen.

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR)