Forscher finden Carbonate auf dem Mars

Lebensfreundlicher Mars

Amerikanische Forscher haben carbonathaltiges Felsgestein auf der Oberfläche des Mars aufgespürt. Diese Mineralien entstehen typischerweise durch die Absorption von Kohlendioxid in Wasser. Saures Wasser zerstört andererseits Carbonate. Die Wissenschaftler sehen in der Entdeckung deshalb ein Indiz dafür, dass zumindest in einigen Regionen des Roten Planeten über längere Zeiträume als bislang vermutet lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben könnten. Die Gebiete wären demnach auch am besten geeignet, um nach Spuren primitiven Lebens auf dem Mars zu suchen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science".
Carbonathaltiges Felsgestein

Carbonathaltiges Felsgestein

Komplexe Klimageschichte

"Primitives Leben liebt Carbonate"


Primitives Leben hätte die Bedingungen geliebt, unter denen die Carbonate entstanden sind", erklärt Bethany Ehlmann von der Brown University im amerikanischen Städtchen Providence. "Es war nicht zu heiß und nicht zu kalt. Das Wasser war nicht zu sauer, es war gerade richtig." Gemeinsam mit ihren Kollegen hatte Ehlmann Messungen der Sonde Mars Reconnaissance Orbiter ausgewertet und war dabei auf die Mineralien gestoßen.

Bislang hatten die Planetenforscher Carbonate nur in einigen Mars-Meteoriten und im Staub des Roten Planeten nachgewiesen. Die Vermutung der Forscher war, dass die Carbonate am Ende der warmen und feuchten Phase der Marsgeschichte durch eine Übersäuerung des Wassers zerstört worden waren. Die Entdeckung der jeweils mehrere Quadratkilometer großen Gebiete mit carbonathaltigem Gestein zeigt nun jedoch, dass zumindest in einigen Regionen das Wasser neutral oder basisch geblieben sein muss. Diese Zonen könnten die letzten Habitate für Lebensformen gewesen sein, die in der warmen Frühzeit des Mars entstanden sind.

Die Messungen von Ehlmann und ihren Kollegen deuten außerdem darauf hin, dass das carbonathaltige Gestein jünger ist als die sulfathaltigen Felsen, auf die beispielsweise der Marsrover Opportunity gestoßen war und die aus der "sauren Phase" des roten Planeten stammen. Das zeigt nach Ansicht der Wissenschaftler, dass die Klimageschichte des Mars komplex ist und mehrfach zwischen trockenen und feuchten Phasen gewechselt haben muss.

Dr. Rainer Kayser ist Wissenschaftsjournalist aus Hamburg