Auswahl des Teams für simulierte Marsmission

Auf Herz und Nieren geprüft

Das Experiment Mars500, welches das Zusammenleben einer sechsköpfigen Besatzung auf einem bemannten Marsflug simulieren soll, geht in die nächste Runde: In einer 105 Tage dauernden Studie wollen die Forscher erste Erfahrungen für das 500 Tage dauernde Isolationsexperiment in Moskau sammeln. Auch wenn das für Ende 2009 geplante Forschungsvorhaben in manchen Punkten an die Reality-Shows à la Big Brother erinnert, so handelt es sich doch um seriöse Forschung, die das Zusammenleben einer Gruppe auf engstem Raum über einen längeren Zeitraum untersuchen soll. Seinerzeit hatten sich mehr als 5600 Freiwillige auf die Ausschreibung zu diesem Experiment gemeldet.
Inhalt des Artikels
Es wurden Spezialisten konsultiert, unter anderem auch Augenärzte

Es wurden Spezialisten konsultiert, unter anderem auch Augenärzte

Ein Schritt näher an der Auswahl der Mannschaft für die simulierte Marsmission

10. November 2008

Die Auswahl der Manschaft für die simulierte Marsmission ist ein Stück näher gerückt: Die letzten acht Kandidaten werden in Moskau intensiven medizinischen Untersuchungen unterzogen. Zwei der europäischen Kandidaten werden ausgewählt um zusammen mit vier Russen die 105 Tage andauernde Studie im März nächsten Jahres zu beginnen.

105 Tage lang wird die sechsköpfige Mannschaft in einer speziell entworfenen und erst kürzlich renovierten Einheit in Moskau zusammen leben, essen, schlafen und arbeiten. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Abteilung für bemannte Raumfahrt der ESA und dem Russischen Institut für biomedizinische Probleme (IBMP).
Während dieser Zeit wird die Mannschaft Elemente einer simulierten Marsmission erleben. Ihr Aufenthalt ist die Vorstufe zur Mars500 Studie, welche später in 2009 startet, wobei eine andere sechsköpfige Mannschaft für 520 Tage, die volle Dauer einer Marsmission, in dem Forschungslabor eingeschlossen bleibt.

Das Ziel der Mars500 Studie ist es Daten, Wissen und Erfahrungen zu sammeln um eines Tages eine reale Marsmission vorzubereiten. An den Teilnehmern werden wissenschaftlich Untersuchungen zum Effekt der Isolation auf verschieden Psychologische und physiologische Aspekte wie Stress, Hormonhaushalt, Immunsystem, Schlafqualität, Stimmung und die Effektivität der Nahrungsaufnahme.


Auch die Untersuchung der Wirbelsäule und des Brustkorbes standen auf dem Programm

Auch die Untersuchung der Wirbelsäule und des Brustkorbes standen auf dem Programm

Die letzten acht Kandidaten sind alle männlich, zwischen 28 und 39 und kommen aus Dänemark, Schweden, Deutschland (2), Frankreich (3) und Belgien. In Moskau wurden sie alle im Central Clinical Hospital der Russischen Akademie der Wissenschaften auf Herz und Nieren geprüft. Sie wurden für mehrere Tage verschiedensten Tests unterzogen, unter anderem einem EKG unter Ruhe und Belastung, röntgen des Brustkorbes und der Wirbelsäule, Ultraschalluntersuchung der inneren Organe und Bluttests. Außerdem wurden ein Neurologen, ein Zahnarzt, ein Psychologe und ein Augenarzt konsultiert.

Diese Tests sind eminent wichtig um sicherzustellen, dass die Mannschaft vor dem Antritt der Mission absolut gesund ist.* „Unsere Mars500 Kandidaten werden denselben medizinischen Untersuchungen unterzogen wie die Teilnehmer an einem Raumflug. Dies stellt sicher, dass wir nur komplett gesunde Kandidaten auf die simulierte Marsreise schicken“ erklärt Jennifer Ngo-Anh, die Managerin des Mars500 Programms der ESA.

Die medizinischen Untersuchungen waren manchmal unangenehm, obwohl dieses geteilte Erlebnis den Kandidaten auch die Chance gab sich näher kennenzulernen. „Alle Kandidaten die ich getroffen habe waren tolle Menschen mit beeindruckenden Hintergründen“, sagte der deutsche Kandidat welcher Vater von drei Kindern ist. Der dänische Teilnehmer stimmt ihm zu:“ Alle sind aufgeschlossen, sehr intelligent und sehr sympathisch. Ich hoffe die echten Astronauten sind aus demselben Stoff gestrickt!“


* Raumflugteilnehmer verbringen normalerweise zehn Tage an Bord der ISS und bezahlen die russische Raumfahrtbehörde, Rocosmos, für ihre Flugmöglichkeit. Sie müssen an umfangreichen medizinischen Untersuchungen teilnehmen um die Erlaubnis zum Flug zu erhalten. Die Untersuchungen sind denen für Astronauten und Kosmonauten ähnlich.
Die Kandidaten der 105-tägigen Studie besuchten auch die Anlage der für 2009 geplanten Studie Mars500.

Die Kandidaten der 105-tägigen Studie besuchten auch die Anlage der für 2009 geplanten Studie Mars500.

Die Kandidaten sind sich einig: falls sie für die 105 Tage dauernde Mission ausgewählt würden, würden ihnen Freunde und Familie am meisten fehlen. Aber natürlich überwiegt die Freude ein potentieller Teilnehmer an der Studie zu sein, vor allem die Herausforderung, genau wie die Möglichkeit neue Leute und Dinge kennenzulernen.
Kommandant

Während der Zeit in Moskau hatten die Kandidaten auch die Möglichkeit die Mars500 Anlage zu besichtigen und den russischen Kosmonauten zu treffen, der die 105 Tage Studie kommandieren wird. Der Kommandant überzeugte auf ganzer Linie: „Er wirkt seriös, gut trainiert und hochqualifiziert, während er gleichzeitig locker, offen und dynamisch ist.“, sagt einer der Kandidaten aus Frankreich. „Es wäre eine große Freude teil seines Teams zu sein“.

Während am Anfang des Auswahlprozesses noch 5600 Bewerber dabei waren, wird die Auswahl der zwei finalen Teilnehmer plus zwei weiteren welche als Backup trainieren werden, Mitte Dezember bekanntgegeben. „Nun da wir sie von Kopf bis Fuß untersucht haben und sie durch und durch kennen, wird es uns möglich sein unsere finale Auswahl zu treffen. Wir werden nur die besten Kandidaten auswählen, mit dem Ziel die Studie erfolgreich zu machen – die Information die wir in diesem Programm gewinnen wird uns weiter helfen für die zukünftige Auswahl der Mannschaft für eine reale Marsmission“ sagt Ngo-Anh.


Kontakt für weitere Informationen:

Jennifer Ngo-Anh
ESA Mars500 Programme Manager
Tel. +31 71 565 8609
Mars500 @ esa.int

Markus Bauer
ESA Communication Officer for the Directorate of Human Spaceflight
Tel: + 31 71 565 6799
Markus