Planetensystem

Planet Venus verliert Wasser

Der Anteil an schwerem Wasser ist in der Hochatmosphäre der Venus doppelt so hoch wie in tieferen Schichten der Atmosphäre. Das zeigen Messungen der europäischen Sonde Venus Express, die jetzt beim "European Planetary Science Congress" in Potsdam präsentiert wurden. Die Forscher sehen darin ein Indiz für ein Abströmen des Wasserdampfs aus der Venusatmosphäre ins Weltall - und für eine wasserreiche Vergangenheit des heute heißen und trockenen Planeten.
Extrem wolkenverhangen: Die Venus, aufgenommen von Venus Express.

Extrem wolkenverhangen: Die Venus, aufgenommen von Venus Express.

"Wasserdampf kommt in der heutigen Atmosphäre der Venus nur noch in extrem geringen Mengen vor", erklärt Emmanuel Marcq vom Forschungszentrum LATMOS in Frankreich, der die Untersuchungen leitet.
"Wir vermuten jedoch, dass die Venus in der Vergangenheit mehr Wasser besessen hat und dass der Sonnenwind ihr dieses Wasser entrissen hat."
Die Messungen von Venus Express lieferten nun einen weiteren Beweis für dieses Szenario, so der Planetenforscher.

Schweres Wasser enthält statt gewöhnlichem Wasserstoff Deuterium, schweren Wasserstoff, in dessen Atomkernen sich nicht nur ein Proton, sondern zusätzlich ein Neutron befindet. Aufgrund ihres größeren Gewichts können die Moleküle des schweren Wassers der Anziehungskraft der Venus nicht so leicht entkommen wie normale Wassermoleküle. Dadurch kommt es - insbesondere in der oberen Atmosphäre - zu einer Anreicherung mit schwerem Wasser.

Die Venus ist geradezu ein Zwilling der Erde: Kein anderer Planet im Sonnensystem ähnelt unserer Heimatwelt stärker, beide haben etwa die gleiche Größe und die gleiche Masse. Doch trotzdem sind die Bedingungen auf der Venus völlig anders als auf der Erde. Die Oberfläche ist knochentrocken, es herrschen 460 Grad Celsius und der hundertfache Luftdruck wie auf der Erde, Wolken aus Schwefelsäure jagen über einen düsteren, ewig wolkenverhangenen Himmel. Vermutlich war die Venus in ihrer Frühgeschichte ebenfalls von Ozeanen aus Wasser bedeckt. Doch da der Planet seine Bahn näher an der Sonne zieht als die Erde, führte ein galoppierender Treibhauseffekt zum Verdampfen der Meere - und der Wasserdampf entwich ins Weltall. Ein Prozess der, wie die Messungen von Venus Express zeigen, noch heute andauert.

Dr. Rainer Kayser arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.
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Die Venus, im Sonnensystem der innere Nachbar der Erde, in zwei unterschiedlichen Darstellungen: Rechts oben der Planet, wie er für das menschliche Auge in den Wellen- Längen des sichtbaren Lichts zu sehen ist und so 1978 aus der Perspektive der amerikanischen Raumsonde Pioneer Venus aufgenommen wurde – eingehüllt von seiner dichten Kohlendioxidatmosphäre. Links unten eine Darstellung der unter der Atmosphäre verborgenen Oberfläche der Venus. Dieses Bild entstand 1996 auf der Grundlage von Radar- Daten des amerikanischen Venusorbiters Magellan.
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