Absturz der japanischen Mondsonde Kaguya

Japanische Prinzessin strandet auf dem Mond

Am 10 Juni um 20.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ist die japanische Mondsonde Kaguya (Selene) auf der Südhalbkugel der Mondvorderseite nahe dem Krater Gill eingeschlagen.

Planmäßiges Ende einer erfolgreichen Mission

Damit geht nach 20 Monaten in der Mondumlaufbahn eine erfolgreiche Mission zur Erforschung des Erdtrabanten planmäßig zu Ende. Der Impakt der Sonde findet auf der unbeleuchteten Vorderseite bei 63 Grad südlicher Breite und 80 Grad östlicher Länge statt.

Für Astronomen in Asien stand der Mond zum Zeitpunkt des Einschlags bereits über dem Horizont im Sichtfeld, so dass sie dieses ungewöhnliche Manöver und die damit verbundenen Effekte, wie einen kurzen Lichtblitz und eine kleine Wolke ausgeworfenen Mondmaterials, mit Teleskopen und Spektrometern verfolgen konnten. Tatsächlich wurde auch ein Lichtblitz von 0,6 Sekunden Länge vom Anglo-Australischen Observatorium beobachtet.

"Die Beobachtungen des Einschlags der drei Tonnen schweren Sonde ist ein letzter wissenschaftlicher Höhepunkt der Kaguya-Mission", erklärt Prof. Jürgen Oberst vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin, der an der Mission wissenschaftlich beteiligt ist. Von Deutschland werden Beobachtungen jedoch nicht möglich sein, da sich der Mond bei Sonnenuntergang noch unter dem Horizont befindet.

Benannt nach der Mondprinzessin

Kaguya ist nach der Mondprinzessin in einem japanischen Märchen benannt. Die Mission der japanischen Weltraumorganisation JAXA, die auch den technischen Namen "SELENE" (SELenological and ENgineering Explorer) trägt, bildete den Auftakt zu einem ganzen Reigen weiterer Mondsonden, die zu Beginn des neuen Jahrtausends die Erforschung des lange vernachlässigten Erdenbegleiters voranbringen sollen. Bereits im Februar 2009 endete die chinesische Mondmission Chang’e-1 mit einem Einschlag auf dem Mond. Nach Kaguya befindet sich nur noch die indische Sonde Chandrayaan 1 im Mondorbit. Aber schon bald, voraussichtlich am 17. Juni 2009, wird auch die amerikanische Weltraumbehörde NASA mit dem Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) einen Mondsatelliten starten.

Kaguya war am 14. September 2007 vom japanischen Raumfahrtzentrum Tanegashima gestartet. Japan ist es mit dieser Mission gelungen, ein neues Kapitel der Mondforschung aufzuschlagen, denn Kaguya beendete eine lange Durststrecke für die Wissenschaft. Mit Kaguya führte Japan die wissenschaftlich umfangreichste Mission zur Erforschung des Erdtrabanten seit den Apollo-Flügen durch.

Das Hauptziel der Kaguya-Mission war es, neben umfangreichen geophysikalischen Messungen auch eine neue topographische Kartierung mit einem Laser-Höhenmesser durchzuführen, die erstmalig auch die Polgebiete abdeckt. "Gemeinsam mit den japanischen Kollegen ist uns zum ersten Mal eine wirklich genaue Charakterisierung der globalen Form des Mondes und seiner Oberflächentopographie gelungen", zieht DLR-Forscher Oberst, der auch an der NASA-Mission beteiligt sein wird, ein erstes Fazit der Mission. "Mit LRO werden wir die Ergebnisse von Kaguya um mehr als einen Faktor zehn verfeinern können, so dass wir mit der Vermessung unseres Erdtrabanten einen weiteren großen Schritt vorankommen", sagte Oberst.

Quelle: DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt