Mars-Webcam wieder online

Wieder Bilder (fast) live vom Mars

Rohdaten frisch von einer aktiven Raumsonde zu bekommen, ist normalerweise ein Privileg der Wissenschaftler. Mit der „Mars-Webcam“ genannten VMC-Kamera kann jedoch jeder brandneue Marsbilder ansehen und selbst verarbeiten. Nach dreimonatigem Winterschlaf ist die Kamera seit heute wieder online und auf der ESA-Website für jeden erreichbar. Noch schneller, noch frischer und interaktiv. Thomas Ormston, 25, Betriebsingenieur bei der ESA, spricht im Interview über seine karrierewirksame Idee und stellt die neue VMC-Webbasis vor.
Inhalt des Artikels
Thomas Ormston leitete das Projekt, die VMC-Kamera im Jahr 2007 wieder in Betrieb zu nehmen und koordiniert nun deren Einsatz sowie die Veröffentlichung der Bilder in ESA´s VMC-Blog.

Thomas Ormston leitete das Projekt, die VMC-Kamera im Jahr 2007 wieder in Betrieb zu nehmen und koordiniert nun deren Einsatz sowie die Veröffentlichung der Bilder in ESA´s VMC-Blog.

"Heiße" Bilder direkt vom Mars

Redshift-live.com (RSL): Herr Ormston, die VMC-Kamera, bekannt als „Mars-Webcam“, meldet sich mit einer neuen Website aus dem Winterschlaf zurück. Wie ist die Stimmung im Team?

Thomas Ormston: Es ist schön, wieder online zu sein. Es war nett, als wir im Februar den Betrieb mit VMC wieder aufnahmen und die ersten Bilder einströmten. Und jetzt sind wir glücklich, dass die neue Website online ist. Denn genau das wollten wir mit dem VMC-Projekt, der Mars-Webcam, erreichen: Diese Bilder so schnell wie möglich online zu haben und den Leuten die Möglichkeit zu geben, auf einfachem Weg mit uns zu diskutieren und interagieren. Nun freue ich mich darauf, Ihre Leser auf der VMC-Website zu begrüßen. Ich möchte jeden ermuntern, sich zu beteiligen. Nur für Sie sind wir da!

RSL: Was hat sich geändert?

Ormston: Die alte Webseite war äußerlich sehr ähnlich, aber von innen gesehen kann die neue viel mehr. Die wichtigste Neuheit ist, dass wir die Bilder nun automatisch auf die Seite laden. Bisher wurden die Daten auf die Erde gesendet, danach mussten wir sie selbst in die Webseite einbauen. Das konnte schon mal eine Weile dauern, wenn wir viel zu tun hatten. Jetzt schickt Mars Express die Bilder zur Erde, und sobald sie hier ankommen, landen sie automatisch auf der Website – frisch und „noch heiß“ aus der Raumkapsel. Außerdem erlaubt uns das neue Format, viel interaktiver zu sein – durch die Kommentarfunktion unter jedem Posting stehen wir in direktem Kontakt mit den Leuten, die die Bilder vom Mars sehen und damit arbeiten wollen. Sie können kommentieren, wir können auf ihre Notizen und Fragen antworten und sie so wirklich zu einem Teil der Website machen.

RSL: Und wie ist der Rücklauf?

Ormston: Wir haben die neue Seite heute morgen gelauncht, die Leute fangen also gerade erst an, sich darauf zurechtzufinden – ich hoffe, dass wir das bald auch sehen.

RSL: Sie sind heute erst online gegangen, doch auf der Seite gibt es schon Bilder aus den vergangenen Tagen.

Ormston: Die Seite selbst gibt es schon seit einer Weile, wir haben nur noch daran gearbeitet, das automatische Uploaden sauber zum Laufen zu bringen. Darum haben wir sie erst heute der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von nun an werden die Bilder gepostet, sobald sie hier reinkommen.

RSL: Also sind diese Daten schon automatisch auf der Seite gelandet?

Ormston: Ja, die letzten Bilder sind schon live online gegangen. Die kamen am 20. März auf der Erde an und waren etwa fünfzehn Minuten später auf der Webseite. Wir wissen also ziemlich sicher, dass es funktioniert.
RSL: Wie groß war die VMC-community vorher?

Ormston: Auf der vorherigen Webseite haben wir zwischen August 2008 und März 2009 über 283.000 page views gezählt.

RSL: Warum war die VMC-Kamera so lange offline?

Ormston: Dafür gab es zwei Gründe. Im ersten Monat unserer dreimonatigen Pause war Mars Express fast vollständig im Überwinterungsmodus. Der Mars zieht hinter der Sonne vorbei, das macht die Kommunikation durch deren Atmosphäre sehr kompliziert. Die Gefahr bestand, dass wir zeitweise den Kontakt zu Mars Express verlieren würden. Die wissenschaftlichen Experimente auf der Sonde sind aber auf eine sehr gute Funkverbindung angewiesen. Daher wurden sie für diese Zeit fast komplett ausgesetzt. Nachdem wir dann auf der anderen Seite wieder raus waren, hatten wir eine Saison mit sehr guten optischen Konditionen für unsere Hauptinstrumente, etwa die HRSC-Kamera. Da haben diese eine Menge sehr wertvoller Daten produziert und die ganze Breite der Datenverbindung benötigt. Daher haben wir uns mit VMC in den Hintergrund gestellt. Aber jetzt, wo der Mars sich der Erde nähert, können wir wieder schneller Daten zur Erde senden. Und da gibt auch ein bisschen Überhangkapazität, wo wir VMC dazwischenquetschen können.

RSL: Was gibt es derzeit zu sehen?

Ormston: Die aktuellen Sichelfotos sind hinsichtlich der Wolken sehr interessant: Am Terminator, der Grenze zwischen hell und dunkel, sieht man eine ganze Menge Variationen, wo das Wetter von der dunklen auf die erleuchtete Seite des Mars hinüberzieht. Aus diesen Wolkenerscheinungen haben einige Mitglieder der Online-community schon ein paar sehr interessante Animationen gemacht.

RSL: Wann kommen die nächsten Daten?

Ormston: Der April ist ein relativ dünner Monat für VMC, wir haben nur zwei Beobachtungstermine. Im Mai wird es dann aber spannend, da planen wir eine ganze Menge VMC-Observationen – drei, vier oder sogar fünf pro Woche. Dann wird es zahlreiche Updates geben. Die nächste geplante Beobachtung ist am 9. April. Es kann aber gut sein, dass wir schon vorher neues VMC-Material bekommen: Die Daten vom 19. März hat Mars Express erst zur Hälfte zur Erde gesendet, es liegen also noch einige Bilder auf der Raumsonde. Genau kann ich nicht sagen, wann die kommen werden, aber es wird voraussichtlich in den nächsten paar Wochen passieren.

Das Interview führte Carolin Konermann.

Link zum Mars-Express VMC-Blog