Startverschiebung Planck und Herschel

Satelliten-Duo startet frühestens Ende April

Freitag der 13. ist kein Glückstag für die beiden bereits mehrfach verschobenen ESA-Missionen Herschel und Planck. Der bisher für den 16. April 2009 in Französisch-Guyana vorgesehene Start ist heute von ESA und Arianespace erneut abgesagt worden. Grund für die Entscheidung, den Start um einige Wochen zu verschieben, sind laut Angaben der Esa-Webseite notwendig gewordene Validierungs-Prozeduren für verschiedene Software-Updates im Bereich der "spacecraft operations". Genauere Auskünfte zu den Gründen der erneuten Startverschiebung gab die Europäische Weltraumorganisation auf telefonische Nachfrage hin nicht. Ein neuer Starttermin soll Ende März 2009 verkündet werden.

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Zwei Satelliten mit unterschiedlicher Mission auf einer Rakete

L2 - ein idealer Ausguck für Weltraumteleskope

Die beiden europäischen Satelliten Herschel und Planck beschäftigen sich zwar mit ganz unterschiedlichen astronomischen Fragestellungen, doch eine einzige Ariane-5-Rakete soll sie gemeinsam in den Weltraum tragen. Sie werden ihre Mission am Lagrangepunkt L2, in einer Gegend weit jenseits des Mondes in antisolarer Richtung erfüllen. Dieser ist nach dem italienisch-französischen Physiker Joseph Louis Lagrange (1736-1813) benannt und liegt – von der Sonne aus gesehen – 1,5 Millionen Kilometer hinter der Erde. Langrange-Punkte sind Stellen in der gravitativen Umgebung der Erde, an denen Raumsonden quasi im Formationsflug mit der Erde die Sonne umrunden, ohne Treibstoff zu benötigen. Das ist möglich, weil sich dort die Schwerkräfte von Erde und Sonne sowie die Fliehkraft auf der Umlaufbahn ausgleichen – im Idealfall bleibt ein dort geparkter Satellit an dieser Stelle stehen.

Instabiles Gleichgewicht

Allerdings ist dieses Gleichgewicht instabil: Das Problem, einen Flugkörper zum L2 zu schicken und ihn dort zu halten, ist vergleichbar mit dem Problem, einen Golfball so auf die Spitze einer glatten Bergkuppe zu schlagen, dass er dort regungslos liegen bleibt. Ein am L2 platziertes Teleskop kann jedoch relativ einfach gegen die Infrarotstrahlung von Sonne und Erde abgeschirmt werden. Denn von dort aus gesehen stehen Sonne und Erde immer in der gleichen Richtung. Aufgrund dieser Vorteile wird in den nächsten Jahren eine ganze Flotte von Astronomiesatelliten die Gegend um den L2 bevölkern. Dieser Punkt ist also ein idealer Ausguck für Weltraumteleskope, der bereits mehrfach um Monate verschobene Flug dorthin für die ESA eine Premiere!

Herschel und Planck - die neuen Revolutionäre der modernen Astronomie?

Das Weltraum-Teleskop Herschel - benannt nach dem deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) dient der Erforschung kalter, staubverhüllter sowie stark ins Rote verschobenen Strahlungsquellen im Kosmos. Es soll Bilder unerreichter Schärfe und Spektren höchster Aussagekraft aus dem bisher kaum erschlossenen Bereich des fernen Infraroten liefern. Sein 3,5-Meter-Spiegel ist der größte bisher für ein Satelliten-Teleskop gebaute.
Die Mission Planck trägt den Namen des deutschen Physikers Max Planck (1858-1957), dem erstmals eine Deutung des Spektrums der thermischen Strahlung gelang, und der damit die Quantenphysik begründete. Das Spektrum der Kosmischen Hintergrundstrahlung ist ein fast perfektes Beispiel für das Plancksche Strahlungsgesetz. Anders als die meisten Observatorien, die eine große Zahl einzelner Quellen am Himmel beobachten, wird Planck den gesamten Himmel beobachten. Bei der mehrfachen, vollständigen Überdeckung soll das Planck-Teleskop nicht nur die Mikrowellenstrahlung des kosmischen Hintergrunds, sondern auch vieler anderer Quellen erfassen. Mit ihrer um Größenordnungen empfindlicheren Beobachtung wird die Planck-Mission zu einem dramatischen, vielleicht revolutionären Fortschritt in unserem Verständnis des Universums führen.

Redshift-live.com/sf
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