Junge Galaxien

Was stoppt die Sternentstehung?

Bisher sahen die Astronomen das Aufleuchten supermassiver Schwarzer Löcher als Ursache - doch die Entstehung von Sternen hört bereits viel früher auf. Die Entstehung neuer Sterne endet in jungen Galaxien bereits einige hundert Millionen Jahre bevor supermassive Schwarze Löcher in ihren Zentren aufleuchten. Das zeigt die Untersuchung von 177 Galaxien durch ein Team amerikanischer Forscher.
Künstlerische Darstellung eines schnell wachsenden Schwarzen Lochs, auch bekannt als aktiver Galaxienkern (AGN).

Künstlerische Darstellung eines schnell wachsenden Schwarzen Lochs, auch bekannt als aktiver Galaxienkern (AGN).

Bislang dachten die Astronomen, die durch den Einfall von Materie in die Schwarzen Löcher erzeugte Strahlung würde das Gas in den Galaxien aufheizen und so die Sternentstehung abschalten. Die Forscher berichten demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters" über ihre Beobachtungen. "Wir konnten erstmalig eine zeitliche Verzögerung zwischen dem Ende der Sternentstehung und dem Aufleuchten heller aktiver Galaxienkerne nachweisen", fasst Kevin Schawinski von der Yale University in New Haven zusammen. Als aktive Galaxienkerne bezeichnen die Astronomen hell leuchtende Zentralregionen von Galaxien. Das "Kraftwerk" dieser Strahlungsquellen sind Schwarze Löcher mit den mehrmillionen oder gar -milliardenfachen Masse der Sonne.


Nach den bisherigen Modellvorstellungen der Astronomen wachsen die Schwarzen Löcher langsam an, in dem sie Materie aus ihrer Umgebung aufsaugen. Dadurch nimmt auch ihre Strahlung immer mehr zu, bis sie irgendwann so stark ist, dass sie das Gas in der ganzen Galaxie aufheizt und so die Entstehung neuer Sterne verhindert. "Doch diese Phase, in der die aktiven Galaxienkerne am hellsten leuchten, ist offensichtlich nicht verantwortlich für das Abschalten der Sternentstehung", so Schawinski.


Was stoppt aber dann die Entstehung von Sternen in jungen Galaxien? "Möglicherweise ist eine frühere Phase geringer Leuchtkraft verantwortlich", sagt Schawinski, aber welche physikalischen Prozesse da am Werk sind, sei noch unklar. "Nur eines ist klar", so der Forscher weiter, "unsere Ergebnisse zeigen, dass der Abschaltprozess der Sternentstehung nicht so einfach ist wie bisher angenommen."


Dr. Rainer Kayser ist Wissenschaftsjournalist in Hamburg