Mars, Methan, Mikroben

Jahreszeitliche Methan-Ausbrüche auf dem Mars

Forscher weisen jahreszeitliche Methan-Ausbrüche auf dem Mars nach - sind sie ein Hinweis auf tief unter der Oberfläche lebende Bakterien? Im Jahr 2003 herrschte auf der Nordhalbkugel des Mars Sommer. In einigen Regionen des roten Planeten wurden damals große Mengen an Methan frei-
gesetzt. Das zeigen Messungen mit drei großen Teleskopen auf der Erde, die amerikanische Planetenforscher in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Science" präsentieren.
Aufnahmen des roten Planeten 1995-2005

Aufnahmen des roten Planeten 1995-2005


"Auf der Erde erzeugen Lebewesen rund 90 Prozent des Methans", schreiben Michael Mumma vom Goddard Space Flight Center der Nasa und seine Kollegen, "der Rest stammt von geophysikalischen Vorgängen." Woher das Methan auf dem Mars stamme, sei bislang unklar. Erste Hinweise auf erhöhte Methankonzen-
trationen lieferten Messungen im Jahr 2004. Da Methan in der Marsatmosphäre rasch abgebaut wird, muss es durch aktive Prozesse nachgeliefert werden.


Mumma und seine Kollegen haben die Oberfläche des roten Planeten sieben Jahre lang mit hoher Auflösung nach Methan abgesucht. Ihre Beobachtungen zeigen, dass das Methan im Marssommer in eng lokalisierten Regionen freigesetzt wird. Diese Regionen stimmen häufig mit Gebieten überein, in denen die Marssonden Mineralien nachgewiesen haben, die vermutlich unter dem Einfluss von Wasser entstanden sind.


Mumma und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Erwärmung des Marsbodens im Sommer dazu führt, dass Methan aus tieferen Schichten an die Oberfläche gelangen kann. Woher dieses Methan ursprünglich stammt -
und wie alt es ist - lasse sich anhand der Beobachtungen nicht beantworten. Die Forscher spekulieren jedoch, dass im Marsboden primitive Lebensformen aus der lebensfreundlicheren Frühzeit des roten Planeten überlebt haben und für die Methanproduktion verantwortlich sein könnten.

Dr. Rainer Kayser ist Wissenschaftsjournalist in Hamburg