Vor einem Jahr – Komet Holmes macht Furore

Theorien über den Helligkeitsausbruch

Infrarotaufnahmen des Weltraumteleskops Spitzer zeigen Strukturen in der Koma mit hoher Detailschärfe.

Infrarotaufnahmen des Weltraumteleskops Spitzer zeigen Strukturen in der Koma mit hoher Detailschärfe.

Viele Astronomen spekulierten, ob möglicherweise eine Kollision mit einem Asteroiden für das seltsame Ereignis verantwortlich war. Auf seinem rund sieben Jahre dauernden Umlauf um die Sonne durchquert Holmes die Ebene der Ekliptik in der Nähe des Asteroidengürtels, wo sich viele der kosmischen Gesteinsbrocken aufhalten. Doch bei näherem Hinsehen scheint ein Zusammenstoß mit einem dieser Brocken sehr unwahrscheinlich. Denn zum einen ist die Dichte der Felskörper selbst im Asteroidengürtel sehr gering. Ein einzelner Zufallstreffer wäre sehr selten, ausschließen könnte man ihn natürlich nicht. Doch bereits im Jahr seiner Entdeckung, 1892, erlebte der Komet einen ähnlichen Helligkeitsausbruch. Zwei Kollisionen innerhalb eines astronomisch so kurzen Zeitabstands sind sehr unwahrscheinlich. Der wichtigste Einwand gegen die Kollisionshypothese: Beide Ausbrüche ereigneten sich erstaunlicherweise an sehr ähnlichen Stellen der Kometenbahn. In beiden Fällen, 1892 und 2007, stand der Komet weit weg vom dichtesten Teil des Asteroidengürtels, wo eine Kollision am wahrscheinlichsten wäre. Alternative Erklärungen schlagen eine endogene Ursache vor: So könnte gefrorenes Eis im Innern des Kometenkernes bei der Annäherung an die Sonne sublimiert sein. Der Gasdruck könnte dann, mit einiger Zeitverzögerung, eine Explosion verursacht haben, die große Mengen Material vom Kometenkern fortgeschleudert hat.

Die Bilder des Spitzer-Teleskops liefern einen tiefen Einblick in die innere Struktur des Kometen. Mit ihrer Hilfe lässt sich vielleicht verstehen, welche der beiden Möglichkeiten tatsächlich zutrifft. Vielleicht wurden die merkwürdigen Helligkeitssprünge aber auch durch etwas ganz Anderes ausgelöst. Auch ein Jahr danach bleibt die Ursache für die grandiose Explosion, die 17P/Holmes zum Kometen des Jahres 2007 gemacht hat, vorerst weiter ungeklärt. In etwa sechs Jahren besucht uns der Überraschungskomet wieder. Ob es dann ein weiteres Schauspiel geben wird? Man darf gespannt sein!

Jan Hattenbach ist Physiker und Journalist in Aachen
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