Vor einem Jahr – Komet Holmes macht Furore

Einjähriges Jubiläum Komet Holmes

Gut ein Jahr ist es her, da versetzte ein kleiner schmutziger Schneeball die Astronomenwelt in Aufregung. Komet Holmes steigerte in den letzten Oktobertagen des Jahres 2007 seine Helligkeit um das 500.000fache! Danach war er für einige Zeit mit bloßen Augen am Nachthimmel sichtbar.
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Komet Holmes mit seiner hellen, inneren Koma, der diffusen, grünlichen äußeren Staubhülle und dem Ansatz einen Ionenschweifs am 1. November 2007 (links) Auch auf der am 4. November mit dem Hubbleteleskop gewonnenen Aufnahme des Kernbereichs erkennt man nu

Komet Holmes mit seiner hellen, inneren Koma, der diffusen, grünlichen äußeren Staubhülle und dem Ansatz einen Ionenschweifs am 1. November 2007 (links) Auch auf der am 4. November mit dem Hubbleteleskop gewonnenen Aufnahme des Kernbereichs erkennt man nu

Vor einem Jahr – Komet Holmes macht Furore

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 23. Oktober 2007, erlebte der kurzperiodische Komet Holmes (17P) einen Helligkeitsanstieg, der in seiner Dramatik unübertroffen ist. Innerhalb weniger Stunden steigerte sich die Helligkeit des Kometen um das 500.000fache. War er zuvor nur mit großen Teleskopen als Lichtpünktchen der 17. Größenklasse zu erkennen, erschien Holmes plötzlich am Nachthimmel als ein mit bloßem Auge leicht sichtbares Objekt. In den folgenden Wochen war Holmes der Star des Himmels – er übertrumpfte mit seiner Größe sogar die Sonne.

Eigentlich war Holmes schon auf dem Rückzug in das äußere Sonnensystem. Sein Vorbeiflug an unserem Tagesgestirn lag bereits mehr als fünf Monate zurück und seine Helligkeit verblasste langsam, aber stetig. In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober aber bemerkte der spanische Astronom Juan Antonio Henríquez Santana, dass mit dem Kometen, der zu diesem Zeitpunkt 245 Millionen Kilometer von der Erde entfernt war, etwas nicht stimmte. Holmes erschien auf einmal wieder als helles Objekt zehnter Größenklasse – er war urplötzlich zu einem leicht mit Amateurteleskopen aufspürbaren Kometen geworden.

Damit aber nicht genug: In weniger als 12 Stunden steigerte Holmes seine Helligkeit weiter. Am Abend des Folgetages war er bereits völlig ohne optische Hilfsmittel als helles Sternchen nahe des Sternbilds Perseus zu sehen. Er erreichte schließlich eine maximale visuelle Helligkeit von 2,5 Größenklassen. Das bedeutete einen Helligkeitsanstieg um 14 Größenklassen – so etwas hatten die Astronomen zuvor bei keinem anderen Kometen beobachtet, schon gar nicht innerhalb nur eines Tages.

In diesen dramatischen Tagen Ende Oktober 2007 lag Mitteleuropa – wie sollte es anders sein – unter einer meist geschlossenen Wolkendecke. Die Amateurastronomen saßen auf glühenden Kohlen, wollten sie das einmalige Himmelsschauspiel doch miterleben und vor allem fotografisch festhalten. Glücklicherweise tat ihnen Holmes den Gefallen, seinen neu erworbenen Glanz eine ganze Weile zu erhalten. Der Komet leuchtete noch bis weit in den November als helles Objekt am Himmel in bester Beobachtungsposition. Auch zum Jahreswechsel war er noch relativ leicht auszumachen. Das Wetter hatte schließlich ein Einsehen: Binnen weniger Wochen wurde 17P/Holmes so zu einem der meist fotografierten Kometen – vielleicht ist er sogar der am Häufigsten fotografierte Komet überhaupt.
Die Entwicklung der Komagröße von Komet Holmes in den ersten 10 Tagen nach dem Ausbruch. Anfang November erreichte die Ausdehnung der Staubhülle rund 900.000 Kilometer.

Die Entwicklung der Komagröße von Komet Holmes in den ersten 10 Tagen nach dem Ausbruch. Anfang November erreichte die Ausdehnung der Staubhülle rund 900.000 Kilometer.

Anfänglich zwar sehr hell, aber noch eher klein und unscheinbar, entwickelte sich Holmes im Laufe der Wochen zu einer beeindruckenden Gestalt. Seine Staubhülle breitete sich mit der enormen Expansionsgeschwindigkeit von 500 Metern pro Sekunde aus, bereits 10 Tage nach dem Ausbruch übertraf die Größe des Kometen den Durchmesser der Mondbahn. Am 9. November erreichte er schließlich die sagenhafte Größe von 1,4 Millionen Kilometern – er war damit das größte Einzelobjekt unseres Sonnensystems. In dunklen Gegenden konnte man Holmes als vollmondgroßen, runden Nebelfleck leicht erkennen.

Anfänglich erschien der Wunderkomet vollkommen sphärisch, im Zentrum konnte man schon in kleinen Teleskopen einen so genannten „falschen Kern“ erkennen, also eine zentrale Aufhellung innerhalb der kugelförmigen Staubwolke. Von einem Schweif war dagegen nichts zu sehen. Erst im Laufe der Zeit begann die Staubwolke an ihrer sonnenabgewandten Seite etwas „auszufransen“ – der Sonnenwind tat seine Wirkung und blies die Staubteilchen langsam fort. Auf einigen Bildern zeigte sich ein schwach ausgeprägter Ionenschweif. Lang belichteten Aufnahmen machten darüber hinaus noch eine weit größere äußere Koma sichtbar, die mehr als ein Grad am Himmel maß und auf den Fotografien grünlich wirkte. Anfang 2008 verblasste Holmes dann zusehends, verschwand zuerst für das bloße Auge und war schließlich nur noch mit viel Mühe fotografisch festzuhalten.

Auch die Profiastronomen interessierten sich für diesen außergewöhnlichen Kometen. Die NASA setzte ihre Weltraumteleskope Hubble und Spitzer ein, um der Frage nachzugehen, die die Astronomenwelt am Meisten bewegte: Was hat diesen enormen Helligkeitsanstieg ausgelöst? Infrarotaufnahmen von Spitzer zeigten in der Kometenkoma feinen Silikatstaub, ein Hinweis darauf, dass das Kometenmaterial hohen Kräften ausgesetzt war und von diesen zermahlen wurde. Auf späteren Aufnahmen waren diese feinen Körnchen verschwunden, nur noch größere Brocken waren übrig.
Infrarotaufnahmen des Weltraumteleskops Spitzer zeigen Strukturen in der Koma mit hoher Detailschärfe.

Infrarotaufnahmen des Weltraumteleskops Spitzer zeigen Strukturen in der Koma mit hoher Detailschärfe.

Viele Astronomen spekulierten, ob möglicherweise eine Kollision mit einem Asteroiden für das seltsame Ereignis verantwortlich war. Auf seinem rund sieben Jahre dauernden Umlauf um die Sonne durchquert Holmes die Ebene der Ekliptik in der Nähe des Asteroidengürtels, wo sich viele der kosmischen Gesteinsbrocken aufhalten. Doch bei näherem Hinsehen scheint ein Zusammenstoß mit einem dieser Brocken sehr unwahrscheinlich. Denn zum einen ist die Dichte der Felskörper selbst im Asteroidengürtel sehr gering. Ein einzelner Zufallstreffer wäre sehr selten, ausschließen könnte man ihn natürlich nicht. Doch bereits im Jahr seiner Entdeckung, 1892, erlebte der Komet einen ähnlichen Helligkeitsausbruch. Zwei Kollisionen innerhalb eines astronomisch so kurzen Zeitabstands sind sehr unwahrscheinlich. Der wichtigste Einwand gegen die Kollisionshypothese: Beide Ausbrüche ereigneten sich erstaunlicherweise an sehr ähnlichen Stellen der Kometenbahn. In beiden Fällen, 1892 und 2007, stand der Komet weit weg vom dichtesten Teil des Asteroidengürtels, wo eine Kollision am wahrscheinlichsten wäre. Alternative Erklärungen schlagen eine endogene Ursache vor: So könnte gefrorenes Eis im Innern des Kometenkernes bei der Annäherung an die Sonne sublimiert sein. Der Gasdruck könnte dann, mit einiger Zeitverzögerung, eine Explosion verursacht haben, die große Mengen Material vom Kometenkern fortgeschleudert hat.

Die Bilder des Spitzer-Teleskops liefern einen tiefen Einblick in die innere Struktur des Kometen. Mit ihrer Hilfe lässt sich vielleicht verstehen, welche der beiden Möglichkeiten tatsächlich zutrifft. Vielleicht wurden die merkwürdigen Helligkeitssprünge aber auch durch etwas ganz Anderes ausgelöst. Auch ein Jahr danach bleibt die Ursache für die grandiose Explosion, die 17P/Holmes zum Kometen des Jahres 2007 gemacht hat, vorerst weiter ungeklärt. In etwa sechs Jahren besucht uns der Überraschungskomet wieder. Ob es dann ein weiteres Schauspiel geben wird? Man darf gespannt sein!

Jan Hattenbach ist Physiker und Journalist in Aachen