Exotische Objekte

Tanzende Schwarze Löcher

Die gezielte Suche mit dem Weltraumteleskop Hubble und den Keck-Teleskopen auf Hawaii hat einen lange gehegten Verdacht der Astronomen bestätigt: Wenn zwei Galaxien zusammenstoßen und miteinander verschmelzen, dann enthalten sie nicht ein, sondern zwei supermassive Schwarze Löcher. Insgesamt 33 solcher Doppel-Löcher, die einander umkreisen, hat ein amerikanisches Forscherteam nun aufgespürt.

"Unsere Beobachtungen zeigen, dass solche umeinander tanzenden Schwarzen Löcher häufiger vorkommen, als wir bislang wussten", sagt Julie Comerford von der University of California in Berkeley, die die Beobachtungen auf einer Fachtagung der American Astronomical Society in Washington präsentierte. Nahezu alle Galaxien enthalten in ihren Zentren supermassive Schwarze Löcher mit der millionen- oder gar milliardenfachen Masse der Sonne. Insbesondere im jungen Universum waren Kollisionen und Verschmelzungen von Galaxien häufige Ereignisse.


"Wir haben deshalb erwartet, dass es im Universum viele doppelte Schwarze Löcher gibt", so Comerford, "doch bislang haben wir nur sehr wenige derartige Objekte gefunden." Das hat sich mit den jetzt vorgestellten Entdeckungen von Comerford und ihren Kollegen, die auf zwei neuen Beobachtungsmethoden basieren, schlagartig geändert.


Die Schwarzen Löcher kreisen mit hohen Geschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Sekunde umeinander und sind zwischen 3000 und 8000 Lichtjahre voneinander entfernt. Die von Comerford und ihrem Team beobachteten Galaxien sind vier bis sieben Milliarden Lichtjahre von uns entfernt. Die Astronomen sehen die Sternsysteme also auch so, wie sie vor vier bis sieben Milliarden Jahren ausgesehen haben. Damals sind Galaxien typischerweise alle 300 Millionen Jahre mit anderen Systemen zusammengeprallt und verschmolzen.

Dr. Rainer Kayser arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.