Sternevolution

Nachbarsterne stammen aus zerstörter Galaxie

Er ist 13 Lichtjahre von uns entfernt - und stammt doch aus dem 17.300 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen Omega Centauri: Kapteyns Stern, sowie 13 weitere Sterne der so genannten Kapteynschen Bewegungsgruppe. Darauf deuten Messungen der chemischen Zusammensetzung der Sterne hin, die drei Astronomen aus Australien und Deutschland demnächst im Fachblatt "Astronomical Journal" präsentieren. Nach Ansicht der Forscher bestätigt dies die Vermutung, dass Omega Centauri der Kern einer von der Milchstraße eingefangenen und zerstörten Zwerggalaxie ist.
Der Kugelsternhaufen Omega Centauri (NGC 5139),aus dem Kapteyns Stern sowie 13 weitere Sterne stammen sollen.

Der Kugelsternhaufen Omega Centauri (NGC 5139),aus dem Kapteyns Stern sowie 13 weitere Sterne stammen sollen.

"Bei diesem Einfang wurden der Zwerggalaxie die Sterne in ihren äußeren Regionen entrissen", erklärt Elizabeth Wylie-de Boer von der Australian National University. Diese Sterne wurden zu einem Sternstrom, einer lang gestreckten Spur von Sternen mit ähnlicher Bewegung in der Milchstraße.
Von der Zwerggalaxie blieb schließlich nur der kompakte Kern übrig - Omega Centauri, mit rund zehn Millionen Sternen der größte Kugelsternhaufen im Halo der Galaxis.

Einige Sterne der Zwerggalaxie befinden sich offenbar in unserer kosmischen Nachbarschaft, wie die Messungen von Wylie-de Boer und ihre Kollegen zeigen. Die Astronomen haben die Häufigkeit verschiedener Elemente - Natrium, Magnesium, Zirkonium und Barium - in den Außenschichten der 16 Sterne der so genannten Kapteyn-Gruppe untersucht.
Diese Sterne zeichnen sich alle durch eine ungewöhnliche Eigenbewegung aus, die gegen die übliche Rotationsbewegung der Milchstraße gerichtet ist.

Die chemische Zusammensetzung von 14 der 16 Sterne ähnelt sich nicht nur untereinander, sondern stimmt zudem auffällig mit der Zusammensetzung der Sterne im Kugelsternhaufen Omega Centauri überein. "Zumindest diese Sterne der Kapteyn-Gruppe dürften also Überreste der Omega Centauri-Zwerggalaxie sein", so Wylie-de Boer und ihre Kollegen.

Dr. Rainer Kayser arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.
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