Neue Art von Sternexplosion

Supernova entwickelte sich ungewöhnlich schnell

Eine vor sieben Jahren entdeckte Supernova passt nicht in das bisherige Klassifikationsschema der Astronomen. Ihre Helligkeit änderte sich schneller, als es bei explodierenden Sternen üblich ist. Ein Team amerikanischer Forscher präsentiert jetzt in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Science" eine Erklärung für das ungewöhnliche Objekt.

Demnach handelt es sich um eine bislang unbekannte Art von Sternexplosion,
bei der sich Helium an der Oberfläche eines Weißen Zwergsterns ansammelt
und schließlich thermonuklear explodiert.

"Es handelt sich um die Supernova mit der schnellsten Entwicklung, die
wir je gesehen haben", erklärt Dovi Poznanski vom Lawrence Berkeley
National Laboratory, einer der beteiligten Wissenschaftler. Während bei
gewöhnlichen Supernovae die Helligkeit im Verlauf mehrerer Monate
ansteigt und wieder abfällt, dauerte dieser Vorgang bei der Supernova in
NGC 1821 lediglich 27 Tage.

Bislang unterscheiden die Astronomen zwei Arten von explodierenden
Sternen. Bei der ersten Art sammelt ein Stern in einem Doppelsystem
solange Materie von einem zweiten Stern an, bis es zu einer thermo-
nuklearen Explosion kommt, die den Stern zerreist. Bei der zweiten
Art handelt es sich um einen Einzelstern, der am Ende seines Lebens
kollabiert. Die Supernova in NGC 1821 ähnelt der ersten Art, weicht aber
in ihren Eigenschaften deutlich davon ab.

Poznanski und seine Kollegen sehen in dem ungewöhnlichen Objekt deshalb
einen neuen Prozess am Werk. Der Begleiter des explodierten Sterns
besteht demnach überwiegend aus Helium. Wenn ausreichend Helium auf die
Oberfläche des Sterns geströmt ist, zündet eine thermonukleare Reaktion
und das Helium fusioniert zu schwereren Elementen. Der Vorgang ähnelt
damit eher einer Nova- als einer Supernova-Explosion. Bei einer Nova
strömt allerdings Wasserstoff auf den Stern und explodiert. Die Helium-
Explosion setzt 1000-mal mehr Energie frei als die Wasserstoff-
Explosion einer Nova.

Dr. Rainer Kayser arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.