Supernova-Alarm

Weißer Zwerg steht kurz vor der Explosion

Mithilfe des europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton ist ein Team italienischer Forscher dem Geheimnis des rätselhaften Sterns RXJ0648.0–4418 auf die Spur gekommen. Den Astronomen gelang es, die Masse des Weißen Zwergsterns zu bestimmen.
Mit 1,2 Sonnenmassen liegt sie nur knapp unter der Grenze für diese Himmelsobjekte - bei einer Masse von 1,3 Sonnenmassen explodieren diese als Supernova. Das könnte bereits in wenigen Millionen Jahren geschehen, so die Wissenschaftler im Fachblatt "Science", und für ein spektakuläres Ereignis am irdischen Himmel sorgen.

"Unsere präzise Bestimmung der Masse ist wichtig, um die Vergangenheit dieses Objekts zu rekonstruieren und seine Zukunft vorauszusagen", erklärt Sandro Mereghetti vom Istituto Nazionale di Astrofisica in Mailand, ein an den Beobachtungen beteiligter Forscher. Weiße Zwerge sind ausgebrannte Sterne mit typischerweise 0,6 Sonnenmassen. Doch RXJ0648.0–4418 besitzt einen aufgeblähten, alten Stern als Begleiter, dem er ständig Materie entreißt. Dadurch ist die Masse des Zwergsterns bereits auf etwa das Doppelte angewachsen.

Bei einer Masse von 1,4 Sonnenmassen kommt es zu einer Supernova-Explosion: Ein Teil der Materie des Zwergsterns wird ins Weltall ausgeworfen, aus dem Rest formt sich ein kompakter Neutronenstern. Supernovae dieses Typs sind in der Kosmologie von großer Bedeutung: Sie dienen den Astronomen als Standard-Lichtquellen, mit denen sie das Universum vermessen können. Eine genaue Kenntnis der physikalischen Abläufe der Sternexplosionen ist deshalb wichtig für die Forscher.

RXJ0648.0–4418 ist der erste Masse aufsaugende Weiße Zwerg, bei dem eine so genaue Massenbestimmung möglich ist. "Er könnte deshalb zu einer Art Rosetta-Stein für die Physik Weißer Zwerge in Doppelsystemen werden", so Mereghetti. Die Berechnungen der Forscher zeigen, dass der Zwergstern bei seiner Explosion am irdischen Himmel etwa so hell wie der Vollmond aufleuchten und damit sogar am Tageshimmel sichtbar sein wird

Dr. Rainer Kayser arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.