Planeten-Katastrophe

Ein unmöglicher Planet

Ein internationales Forscherteam hat einen Planeten aufgespürt, der schon in weniger als einer Million Jahren in seinen Stern stürzen wird. Da der Stern - und damit auch der Planet - rund eine Milliarde Jahre alt sind, handelt es sich um einen extrem unwahrscheinlichen Zufallsfund. Weitere Beobachtungen sollen nun zeigen, ob sich der Planet tatsächlich an den Stern annähert - oder ob vielleicht die Wechselwirkung zwischen Stern und Planet geringer ist als angenommen.

Der von Coel Hellier von der Keele University im britischen Staffordshire und seinem Team im Rahmen des "Wide Angle Search for Planets" entdeckte Exoplanet WASP-18b umkreist seinen Stern alle 0,94 Tage in einer Entfernung, die nur zwei Prozent des Abstands Erde-Sonne entspricht. Dieser extrem geringe Abstand führt zusammen mit der großen Masse des Planeten von etwa dem Zehnfachen der Jupitermasse zu einer starken Gezeitenwirkung zwischen Stern und Planet.

Ähnlich wie im Erde-Mond-System bilden sich sowohl auf dem Stern als auch auf dem Planeten Gezeitenberge, die zu einer Kopplung zwischen der Rotation der beiden Himmelskörper und der Umlaufbahn führen. Die Folge: WASP-18b nähert sich auf einer Spiralbahn immer weiter an seinen Stern an - bis er schließlich hineinfällt. Hellier und seine Kollegen schätzen, dass das feurige Ende des Planeten bereits in rund 650.000 Jahren stattfindet.

Das Alter des Systems schätzen die Forscher dagegen auf 0,5 bis 1,5 Milliarden Jahren. Demnach wäre es ein extrem unwahrscheinlicher Zufall, den Planeten so kurz vor seinem finalen Absturz aufgespürt zu haben. Allerdings gäbe es auch eine andere Erklärung: Vielleicht ist die Gezeitenwirkung in diesem System erheblich weniger effektiv, als vermutet. Glücklicherweise dürfte es nicht allzu lange dauern, bis sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten unterscheiden lässt: Wenn WASP-18b tatsächlich innerhalb von weniger als einer Million Jahren in seinen Stern stürzt, dann sollte sich die damit verbundenen Änderung der Umlaufbahn bereits innerhalb von zehn Jahren nachweisen lassen.

Dr. Rainer Kayser ist freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.