Schrumpfender Sternriese

Beteigeuze schrumpft

Er ist einer der hellsten Sterne am Nachthimmel - und schrumpft gerade gewaltig: Beteigeuze, der orangen-farbene Schulterstern des Himmelsjägers Orion, hat nach neuesten Messungen rund 15 Prozent seiner Größe verloren. Wissenschaftler vermuten, dass dies die Vorboten einer riesigen Explosion sein könnten.

Beteigeuze schon in den 1920er Jahren am Mt. Wilson vermessen

Beteigeuze im Sternbild Orion, ist abgesehen von der Sonne der erste Stern überhaupt, bei dem man Einzelheiten auf der Oberfläche direkt abbilden konnte. Im Jahr 1995 gelang es mit der Faint Object Camera an Bord des Hubble Space Telescopes das Sternscheibchen im Ultravioletten aufzulösen und einen hellen Fleck auf dem Stern zu identifizieren. Man glaubt, daß der Fleck einen der Pole des Sterns zeigt. Durch seine Rotation wird der Stern nämlich abgeflacht und dadurch an den Polen heißer als am Äquator.

Ein solches Abbild ermöglicht es natürlich, die Größe von Beteigeuze direkt zu messen. Dasselbe funktioniert auch mithilfe von Interferometrie. Beteigeuze war als Roter Riesenstern eines der ersten Zielobjekte interferometrischer Beobachtungen, und schon in den 20er Jahren konnte aus Messungen vom Mount Wilson-Observatorium das erste Mal sein Durchmesser bestimmt werden.

Supernova mit Ansage

Seitdem wird der Stern regelmäßig interferometrisch beobachtet. Jetzt hat sich herausgestellt: Im Laufe der Jahrzehnte ist Beteigeuze eindeutig kleiner geworden. Im Laufe von 15 Jahren ist seine Größe um gut 15 Prozent gesunken. Die jeweiligen Winkeldurchmesser sind zwar winzig klein, 56 bzw. 47 Millibogensekunden, das entspricht aber wahren Durchmessern von 1,64 und 1,38 Milliarden Kilometern. Was genau das Schrumpfen des Sterns verursacht, ist bisher unklar. Insgesamt kommt Beteigeuze auf knapp den 600fachen Durchmesser der Sonne und würde sich in unserem Sonnensystem bis etwa auf die Umlaufbahn des Jupiters ausdehnen.

Als Roter Riese nähert sich Beteigeuze langsam aber sicher dem Ende seines Lebens. Wann genau das sein wird, kann man nur schwer vorausberechnen, aber vermutlich wird er irgendwann innerhalb der nächsten 100000 Jahre als Supernova explodieren. Weil Beteigeuze sich in einer Entfernung von nur 600 Lichtjahren befindet, würde er als Supernova so etwa so hell wie die Halbmond, vielleicht sogar hell wie der Vollmond werden. Damit wäre er auch am Tageshimmel ein imposantes Leuchtfeuer.

Carolin Liefke ist Astrophysikerin an der Hamburger Sternwarte und bloggt regelmäßig auf Lichtecho.