Planetariumspremiere für Planck und Herschel

"Augen im All" im Wiener Planetarium

Wozu bauen Menschen in jahrelanger und mühevoller Teamarbeit teure Raumsonden, um sie ins All zu schicken? Das erfahren Besucher deutschsprachiger Planetarien in ganz Europa in der neuen Show „Augen im All“, die in Kooperation mit der ESA produziert wurde. Am 7. Mai wurde diese im Wiener Planetarium bei der Premiere einem erlesenen Publikum gezeigt, das im Rahmen des stimmungsvollen Abends großen Gefallen daran fand.
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Galileis Erkenntnis

Galileo Galilei und seine Zeitgenossen leiteten vor 400 Jahren eine grundlegende Wende ein. Zuvor hatte man neue Erkenntnisse hauptsächlich durch philosophische Betrachtungen erlangt. Galilei baute sich dagegen ein Fernrohr, dessen Funktionsweise er nur vom Hörensagen kannte, und beobachtete damit den Himmel. Mit Galilei begann der Gewinn von Erkenntnis aufgrund von Naturbeobachtung und Experimenten.

Seither hat sich unser Weltbild grundlegend gewandelt. Die Erde wurde gründlich aus dem Zentrum des Universums gerückt, das sich als wesentlich größer herausstellte, als man zu Galileis Zeit noch vermutet hatte. Doch nach wie vor bleiben uns zahlreiche wissenschaftliche Zusammenhänge rätselhaft, und immer noch gibt es vieles zu entdecken.

Auf der Erde wird die Himmelsbeobachtung durch die unser Leben schützende Atmosphäre beeinträchtigt. Große Teile des elektromagnetischen Spektrums - Röntgenstrahlen, Infrarotlicht und harte Gammastrahlung - sind für uns nicht beobachtbar. Gerade in diesen Spektralbereichen lassen sich aber sehr wertvolle Erkenntnisse über die Entstehung und den Aufbau des Universums gewinnen.
Die ESA-Missionen Planck und Herschel starten im neuen ESA-Planetariumsprogramm bereits auf einer Ariane 5 in den Orbit.

Die ESA-Missionen Planck und Herschel starten im neuen ESA-Planetariumsprogramm bereits auf einer Ariane 5 in den Orbit.

Sven, ein Journalist, verfolgt im DLR-Kontrollzentrum in Darmstadt den Start einer Ariane 5, die mit einer besonderen Fracht bestückt ist: den Weltraumteleskopen Herschel und Planck. Nachdem der Start geglückt ist, möchte Sven wissen, wozu so teure Raumsonden gebaut werden, und wird – zusammen mit den Zuschauern - auf eine Reise ins unsichtbare Universum geschickt. Staubnebel wie jene im Orion sind für uns undurchdringlich – für Herschel jedoch sind sie transparent. So erhoffen sich die Wissenschaftler von Herschel neue Erkenntnisse über die Entstehung von Sternen und die Bildung von Planetensystemen.

Planck betrachtet einen völlig anderen Teil des elektromagnetischen Spektrums und der uns bekannten Zeit: Im Mikrowellenbereich erstellt er eine neue Karte des frühen Universums, die uns neue Erkenntnisse über den Urknall liefern soll. In der Show ist zu sehen, wie Herschel und Planck sich von der Oberstufe lösen und gemeinsam zu ihrem Ziel, dem Lagrangepunkt 2, aufbrechen.
Peter Habison, Leiter des Wiener Planetariums, begrüßte die Gäste der Premierenveranstaltung mit einem Überblick über die Entstehung der Show und einer Vorstellung der an der Erstellung beteiligten Personen. Vor der Show bot Salim Ansari von ESA/ESTEC einen Überblick über vergangene und aktuelle Weltraummissionen der ESA in Sachen Himmelsbeobachtung. Im Anschluss daran hatten die Gäste die Möglichkeit, im geselligen Rahmen mit dem Planetariumsteam und Wissenschaftlern über die Inhalte der Show zu plaudern. Unter den Gästen waren Jocelyne Landeau-Constantin von der ESA, Franz Kerschbaum, der am Weltraumteleskop Herschel mitgearbeitet hat und dessen Start von Kourou aus mitverfolgen wird, und drei weitere österreichische Planetariumsdirektoren. Alles in allem ein runder und gelungener Abend!

Maria Pflug-Hofmayr, Der Orion