Lexikon

Präzession
Kreiselbewegung der Erdachse. Die Erdachse ist zur Senkrechten auf der Erdbahnebene um 23,45° geneigt. Da die Erde keine exakte Kugel ist, sondern ein abgeplattetes Rotationsellipsoid, versuchen die Anziehungskräfte von Sonne und Mond die Erdachse aufzurichten. Gemäß den Kreiselgesetzen weicht die Erdachse jedoch rechtwinklig aus und beschreibt in einem Zeitraum von knapp 26.000 Jahren einen doppelten Kegelmantel (s. Abb.). Die Periode von 26.000 Jahren wird auch Platonisches Jahr genannt. Infolge dieses Kreiselns der Erdachse wandert der Frühlingspunkt jährlich um 50,2 Bogensekunden entgegengesetzt der Sonnenbewegung (rückläufig) durch den gesamten Tierkreis. Vor dem Jahr -70 befand er sich im Sternbild Widder, heute liegt er im Sternbild Fische und nach dem Jahr 2610 wird er im Wassermann zu finden sein.

Infolge der Erdpräzession wandern auch die Himmelspole. Der letzte Deichselstern des Kleinen Wagens (Polaris) steht nur in unserer Zeit in der Nähe des Himmelsnordpols. Im Jahr 10.000 wird Deneb, der Hauptstern im Schwan, die Rolle des Polarsterns spielen, im Jahr 14.000 die Wega in der Leier.

Da der Frühlingspunkt Koordinatenursprung der äquatorialen und der ekliptikalen Koordinaten ist, muss bei Koordinatenangaben stets das Äquinoktium (die Epoche) angegeben werden. Dies ist das Datum, für welches die Koordinatenangaben exakt gelten. Äquinoktium J 2000.0 bedeutet zum Beispiel, dass die Koordinatenangaben in Bezug auf die Lage des Frühlingspunktes zu Beginn des Jahres 2000 exakt gelten.

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