Lexikon

Komet
Haarstern, nach dem lateinischen Wort "coma" für Haar. Haarsterne oder Kometen wurden so nach ihrer Erscheinungsform benannt. Man spricht auch von Schweifsternen. Im Altertum und Mittelalter wurden sie als Unglücksbringer oder göttliches Zeichen für ein bevorstehendes Strafgericht über die sündige Menschheit angesehen. Später dachte man, Kometen seien atmosphärische Erscheinungen, ähnlich den Wolken.

Erst Tycho Brahe (1546-1601) konnte durch Parallaxenmessungen nachweisen, dass Kometen weiter entfernt sind als der Mond.

Kometen sind Mitglieder unseres Sonnensystems, die auf mehr oder minder lang gestreckten Bahnen die Sonne umrunden. Edmond Halley (1656-1742) konnte 1682 nachweisen, dass Kometen wiederkehren können und sich auf Keplerbahnen um die Sonne bewegen. Nach ihm wurde der berühmteste aller Kometen benannt, der Halleysche Komet, dessen Wiederkehr er vorhersagte. Er hat eine mittlere Umlaufzeit von 76 Jahren.

Der Kern eines Kometen hat meist nur einen Durchmesser von wenigen Kilometern und ist unregelmäßig geformt. Nahaufnahmen des Kometenkerns von Halley, die die europäische Raumsonde Giotto im März 1986 bei ihrem nahen Vorbeiflug gewonnen hat, zeigen eine erdnussartige Form von etwa 15 Kilometern Länge und sechs Kilometern Dicke.

Kometenkerne werden auch sehr anschaulich als "schmutzige Schneebälle" bezeichnet. Sie stellen ein Konglomerat dar aus gefrorenen Gasen (Wassereis, Methan, Ammoniak und anderen Kohlenwasserstoffen) sowie Einschlüssen von Staub, Geröll und Eisenteilchen.

Bei Annäherung an die Sonne verdampft ein Teil der gefrorenen Kometengase. Es bildet sich somit um den Kern eine riesige Gaswolke, die so genannte Koma. Ihr Durchmesser beträgt einige zigtausend Kilometer. Der Lichtdruck und der Sonnenwind treiben die Gasmoleküle und Staubteilchen vom Kometenkopf weg, wodurch sich ein Schweif ausbildet, der bis zu 300 Millionen Kilometer lang werden kann (dies entspricht dem Durchmesser der Erdbahn). Der Staubschweif ist in der Regel gekrümmt, während der Gas- oder Ionenschweif kerzengerade von der Sonne weg zeigt.

Die Untersuchung von Kometen ist deshalb so interessant, weil sie aus fernen Bezirken des Sonnensystems stammen und bei ihrer erstmaligen Annäherung an die Sonne noch "unverändert" sind. Sie setzen sich aus der ursprünglichen Materie zusammen, aus der sich vor rund 4,6 Milliarden Jahren das Sonnensystem gebildet hat und geben uns damit einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Sonnensystems.

Nach dem holländischen Astronomen Jan Hendrik Oort gibt es eine Wolke, in der Kometenkerne in einem kugelförmigen Bereich um die Sonne milliardenfach vorhanden sind. Der Radius dieser Oortschen Wolke liegt bei 40.000-50.000 AE. Ferner scheint es hinter der Neptunbahn ein weiteres Kometenreservoir im so genannten Kuiper-Gürtel zu geben, aus dem Kometenkerne durch äußere Störeinflüsse in das innere Sonnensystem gelenkt werden können.

Periodische Kometen verlieren bei jedem Periheldurchgang Material und lösen sich mit der Zeit auf. Die Lebensdauer von kurzperiodischen Kometen beträgt einige zehntausend Jahre. Als kurzperiodisch werden Kometen mit Umlaufzeiten unter 200 Jahren bezeichnet.

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