Lexikon

Gezeiten
Die bekannteste Erscheinung der Gezeiten sind Ebbe und Flut. Hervorgerufen werden sie durch die differenziellen (unterschiedlichen) Anziehungskräfte des Mondes (oder der Sonne) auf verschiedene Punkte des Erdkörpers. Da die dem Mond (bzw. der Sonne) zugekehrte Erdhälfte diesem jeweiligen Himmelskörper näher ist als der Mittelpunkt oder die abgewandte Erdhälfte, treten unterschiedlich starke Schwerebeschleunigungen auf. Auf der dem Mond (oder der Sonne) zugewandten Seite türmt sich das Wasser wegen der größeren Anziehung auf, auf der abgewandten Seite bleibt es gewissermaßen zurück. Somit entstehen auf den Ozeanen zwei Flutberge. Die Gezeiten wirken sich aber auch auf das Festland aus.

So heben und senken sich Ozeanoberflächen und der feste Erdboden täglich im Mittel um 30 Zentimeter. Da der Mond der Erde 400-mal näher ist als die Sonne, überwiegen bei der Entstehung der Gezeiten die Gravitationskräfte des Mondes. Der Anteil der Sonne beträgt lediglich 40 Prozent.

Die Gezeiten bewirken auch, dass sich die Erdrotation verlangsamt. Die beiden Flutberge der Erde wirken wie Bremsbacken auf die rotierende Erdkugel. Somit werden die Tage mit der Zeit immer länger. Die Dauer einer Erdrotation nimmt in 100.000 Jahren um 1,6 Sekunden zu. Bei der Berechnung von Sonnen und Mondfinsternissen zum Beispiel muss dies berücksichtigt werden. Das Eintreten von Ebbe und Flut erfolgt im Mittel alle zwölf Stunden und 50 Minuten.

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