Der vergessene Astronom

Simon Marius

Gemeinhin gilt der italienische Forscher Galileo Galilei als Entdecker der Jupitermonde. Doch Galilei war nicht der erste Fernrohrbeobachter, der die Jupitermonde fand. Fast gleichzeitig hatte auch Simon Marius im fränkischen Ansbach die vier hellen Jupitermonde gesehen.
Simon Marius (1573 - 1624)

Simon Marius (1573 - 1624)

Artikel aus dem "Kosmos Himmelsjahr 2009"

Wenn Jupiter in Oppositionsstellung zur Sonne kommt, dann ist er ein beliebtes Beobachtungsobjekt für Sternfreunde und Amateurastronomen. Auch bei Sternführungen in öffentlichen Sternwarten ist er der Höhepunkt des abendlichen Beobachtungsprogramms.
Selbst wer nicht eine Sternwarte aufsucht und nur seinen bescheidenen Operngucker auf Jupiter richtet, sieht neben ihm vier, gelegentlich drei oder auch nur zwei „Sternchen“. Manchmal stehen alle vier nur auf einer Seite des Riesenplaneten, manchmal verteilen sie sich symmetrisch zu beiden Seiten. Diese „Sternchen“ verändern schnell ihre Positionen relativ zum Jupiter. Täglich bieten sie einen anderen Anblick im Teleskop. Sie umkreisen offenbar den Riesenplaneten. Tatsächlich handelt es sich bei ihnen um die vier größten und damit auch hellsten Monde des Jupiters.
Entdeckt wurden die vier hellen Jupitermonde schon vor vierhundert Jahren zu Beginn des teleskopischen Zeitalters der Astronomie. Mit Erfindung des Fernrohres im Jahre 1609 nahm die astronomische Forschung einen ungeheuren Aufschwung. Deshalb hat auch die Weltorganisation UNO das Jahr 2009 zum „Jahr der Astronomie“ deklariert.
Als Entdecker der vier großen Jupitermonde wird stets der italienische Physiker und Astronom Galileo Galilei genannt. Man spricht deshalb auch von den Galileischen Jupitermonden. Galilei selbst nannte sie zu Ehren seiner Förderer die Mediceischen Gestirne. In seinem Sidereus Nuncius (Sternenbote) berichtet Galilei, dass er mit seinem kleinen, selbst gefertigten Fernrohr erstmals am 7. Januar 1610 die hellen Lichtpünktchen neben dem strahlenden Jupiter erkannte. Bereits am 8. Januar bemerkte er eine Positionsveränderung. Bald war ihm klar, dass diese Lichtpünktchen keine Sterne sondern Trabanten des Riesenplaneten sind. Dies bestärkte ihn in seiner Auffassung, dass das von Nikolaus Kopernikus beschriebene heliozentrische System richtig sei. Denn in Jupiter und seinen vier Monden sah er ein Modell des Sonnensystems. Galilei war sehr stolz auf seine Entdeckung und beanspruchte auch den Ruhm und die Anerkennung als Erstentdecker durch die Fachwelt.
Doch Galilei war nicht der erste Fernrohrbeobachter, der die Jupitermonde fand. Fast gleichzeitig hatte auch Simon Mayr im fränkischen Ansbach die vier hellen Jupitermonde gesehen. Mayr, der sich, wie seinerzeit üblich, latinisiert Marius nannte, war fürstlicher Hofastronom und Mathematiker der Markgrafen von Brandenburg in Franken.
» Artikel drucken