Das Monatsthema im Mai 2010

Wie lange dauert ein Tag?

Eine simple Frage, mag man denken. Ein Tag dauert von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Dann folgt die Nacht. Die Tageslänge verändert sich. Im Frühling werden die Tage länger, im Herbst dann wieder kürzer. Die Übergänge zwischen Tag und Nacht nennt man Dämmerung. Wenn aber jemand sagt: „Wir sehen uns in drei Tagen wieder“, so meint er offensichtlich einen anderen Tag, nämlich den, der 24 Stunden hat. Man spricht auch von einem „Volltag“ und meint damit einen vollen Tag-Nacht-Zyklus von Sonnenaufgang bis zum nächsten Erscheinen der Sonne am Morgenhimmel.
Schwankungen der Tageslänge im Laufe eines Jahres
infolge der Neigung der Erdachse und der Elliptizität
der Erdbahn (2. Keplersches Gesetz!).

Schwankungen der Tageslänge im Laufe eines Jahres infolge der Neigung der Erdachse und der Elliptizität der Erdbahn (2. Keplersches Gesetz!).

Wie lange dauert ein Tag?

Der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere berichtet: „Das Volk rechnet allgemein den Tag vom Morgengrauen bis zum Anbruch der Nacht.“ Der Römer Censorinus nennt 238 nach Chr. den Helltag „Dies naturalis“, den natürlichen Tag, den Volltag jedoch „Dies civilis“, den bürgerlichen Tag. Der Hell- oder Lichttag eignet sich nicht für den Einsatz als Zeitmaß in Verwaltung, Verkehr und Wissenschaft. Denn seine Länge variiert mit der Jahreszeit und der geografischen Breite des Standortes. Der Volltag hingegen ist die grundlegende Einheit für die Zeitmessung.
Der ständige Wechsel von Hell- und Dunkelphase bedingt die ursprünglichste Zeiterfahrung des Menschen. Der auffällige Rhythmus von hellem Tag und dunkler Nacht hat schon unseren fernen Vorfahren die unmittelbarste Erfahrung vom Ablauf der Zeit geliefert. Das Zählen der Tage − durch Kerben in Bäumen oder Einritzen in Steinen – war der Beginn der Zeitzählung und damit der Ursprung des Kalenders. Der griechische Poet Homer zählte in „Morgenröten“. Der natürliche Tag ist das älteste Zeitmaß der Menschheit, hervorgerufen durch die Rotation der Erde und unserer grell scheinenden Sonne. Der berühmte Astronom aus Weil der Stadt, Johannes Kepler, meinte einst: „Ein Tag ist ein Atemzug der Erde.“
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