Der Saturn

Planet der Überraschungen

Saturn wurde schon von vier Sonden besucht:
Pioneer 11 sowie Voyager 1 und 2 haben die Ringe, Atmosphäre und Monde des Planeten bereits früher untersucht, und die Sonde Cassini kreist seit 2004 um den Planeten. Dabei kommen immer neue Kuriositäten zutage.
Polarlicht auf dem Saturn

Polarlicht auf dem Saturn

Der Saturn ist entfernteste Planet, den wir noch mit bloßem Auge sehen können. Galileo Galilei entdeckte 1610 zu seiner Verwunderung rechts und links vom Saturn Objekte, die er als „Henkel“ bezeichnete – erst Christiaan Huygens deutete 1655 das seltsame Phänomen richtig: Der Saturn ist von Ringen umgeben. Dank der Beobachtungen der Pioneer 11- und Voyager-Sonden wissen wir nun, dass die Struktur aus über 1000 Einzelringen besteht. Manche sind kaum 10 km breit und nicht einmal 100 m dünn – für kosmische Verhältnisse wahrhaft filigrane Strukturen.

Übrigens wurde erst Ende 2009 ein weiterer Ring um den Saturn entdeckt – mit vergleichsweise gigantischen Ausmaßen: Könnte man ihn mit bloßen Augen sehen, hätte er den doppelten Durchmesser des Vollmonds. Der Riesen-Ring wurde erst so spät entdeckt, weil die kleinen Eis- und Staubpartikel viel zu weit voneinander entfernt sind; selbst wenn man sich mitten in diesem Halo aufhielte, würde man ihn kaum bemerken.
Die Partikel des Rings stammen nach Ansicht der Forscher von dem kleinen Saturnmond Phoebe. Dieser läuft mitten in diesem Ring um – in umgekehrter Richtung wie die übrigen Monde.

Auch die Atmosphäre des Gasplaneten ist für Überraschungen gut. An den Polen haben Forscher „Hot Spots“ entdeckt – das heißt, Saturns Nord- und Südpol sind seine wärmsten Stellen, im Gegensatz zu allen anderen Planeten des Sonnensystems. Die „Hot Spots“ entstehen allem Anschein nach durch Gasströmungen in Richtung der Pole – dort wird das Gas komprimiert und aufgeheizt, wenn es in die Tiefen der Saturnatmosphäre sinkt. Aber wie es zu diesen Strömungen kommt, ist noch nicht geklärt.

Außen besteht der Saturn überwiegend aus Wasserstoff. Taucht man tiefer in die Atmosphäre ein, steigt der Druck und die Temperatur, und der Wasserstoff verhält sich immer merkwürdiger: er wird zunächst flüssig und dann, bei einem Druck von über 4 Millionen bar, wird er sogar metallisch: Er verliert seine Elektronen und wird dadurch elektrisch leitfähig.
Unterhalb des metallischen Wasserstoffs stößt man auf noch exotischere Zustände: extrem zusammengepresstes, heißes „Eis“ aus Wasser, Ammoniak und Methan.
Tief im Inneren befindet sich schließlich ein heißer, fester Kern.

2006 hat die Sonde CASSINI gewaltige Gewitter in der Saturnatmosphäre aufgezeichnet, mit nach außen gerichteten elektrischen Entladungen, zehntausendfach stärker als Blitze auf der Erde. Die Raumsonde ist weiterhin im Orbit um den Saturn unterwegs, um die Geheimnisse des Gasriesen und seiner Monde zu lüften.


Manuela Kuhar