Beobachtungstipp Juni

Das Sternbild Schütze

Wegen seiner südlichen Position und dem Fehlen von Sternen erster Größenklasse ist der Schütze bei uns kein auffälliges Sternbild. Die helleren Sterne sind zweiter und dritter Größe. Die zentralen Partien des Schützen sind durchaus markant und einprägsam, vor allem in südlicheren Gebieten wie in Mesopotamien, wo der Ursprung des Fabelwesens „Schütze“ zu suchen ist.
Das Sternbild Schütze

Das Sternbild Schütze

Die klassische Mythologie erkennt im Schützen den Zentauren Cheiron. Die Zentauren waren Fabelwesen, halb Mensch, halb Stier, später Pferd. Die Zentauren stammen ursprünglich vom wilden, ungebärdigen Helden Ixion, der die Liebe der Hera erringen will. Der eifersüchtige Götterboss Zeus sendet jedoch eine Wolke namens Nephele. Ixion, in höchster Erregung und ungebremster Gier, stürzt sich auf Nephele, die Wolkengöttin. Aus ihrer Verbindung entsteht ein Wesen, halb Mensch, halb Pferd, der erste Zentaur. Dieser Urzentaur war ein wildes Wesen, das alle Stuten im Peliongebirge schwängerte und so das Geschlecht der Zentauren hervorbrachte. Der Sage nach waren die Zentauren gewalttätige, ungezügelte und gierige Gesellen, die ihre Triebe auslebten und doch nie zu befriedigen waren.

Eine große Ausnahme bildete lediglich der besagte Cheiron, der im Gegensatz zu seinen Spießgesellen ein gebildetes, weises und hilfsbereites Wesen war und ebenfalls in der Bergwildnis des Peliongebirges hauste. Cheiron gilt als Erfinder von Bogen und Pfeil. Er war somit der erste Schütze. Meist findet man ihn dargestellt mit gespanntem Bogen, wie er mit seinem Pfeil auf das Herz des Skorpions zielt, der ihm im Tierkreis vorangeht. Damit kommt Cheiron dem Himmelsjäger Orion zu Hilfe, der vom Skorpion bedrängt wird.

Friedrich Wilhelm Argelander gibt 54 Sterne an, die mit bloßen Augen sichtbar sind und zum Schützen gehören. Das Zentrum unserer Milchstraße liegt im Schützen, ein wenig westlich vom Stern Gamma Sgr und knapp südlich von X Sgr. Im Optischen unsichtbar, macht sich der Kern der Milchstraße als starke Radioquelle Sagittarius A bemerkbar. Hier liegt auch der Nullpunkt des galaktischen Koordinatensystems.

Der hellste Stern im Schützen mit 1,9 mag ist Epsilon Sgr. Sein Eigenname lautet Kaus Australis, der „südliche Teil des Bogens“. Lambda Sgr (2,8 mag) heißt Kaus Borealis, und Delta Sgr (2,7 mag) ist Kaus Medialis, also nördlicher und mittlerer Teil des Bogens. Gamma Sgr (3,0 mag) markiert die Spitze des Pfeils und führt die arabische Bezeichnung Alnasl. Alpha Sgr ist mit 4,0 mag vergleichsweise recht lichtschwach und wird Rukbat genannt, was arabisch „das Knie“ (des Schützen) bedeutet. Der zweithellste Stern Sigma Sgr (2,0 mag) heißt Nunki, ein nicht übersetzbarer Eigenname.

Der Schütze ist reich an Sternhaufen und Gasnebel und bietet somit ein großes Betätigungsfeld für den mit Fernglas oder Fernrohr beobachtenden Sternfreund. Offene Sternhaufen sind M18, M21, M23, M24 und M25, Kugelhaufen M22, M28, M54, M55, M69, M70 und M75. An Gasnebeln sind zu nennen: M8 (Lagunen-Nebel), M17 (Omega-Nebel) und M20 (Trifid-Nebel).


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